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Dienstag
08.03.2016

Medien / Publizistik

Der aktuelle Bericht zur Schweiz aus dem Projekt «Who makes the news» ist erschienen. Alle fünf Jahre untersucht das Global Media Monitoring-Projekt, wie Frauen und Männer in den Mainstream-Medien an einem Stichtag erscheinen, wie sie thematisiert und behandelt werden. 2016 kam noch Twitter hinzu.

Für den Klein Report hat sich Medienexpertin Dr. Regula Stämpfli durch den Report gearbeitet und fasst die Quintessenz zusammen.

Die Resultate sind eindeutig: Nachrichten sind zu 97 Prozent von Männern, über Männer, mit Männern gestaltet. Die Handvoll Redakteurinnen (30 Prozent), die 2011 noch 5 Prozent mehr ausmachten, sind darüber hinaus leider kein Deut besser als ihre Kollegen. Frauen als Menschen werden von Frauen und Männern «anders», «weniger häufig» und wenn, dann vor allem rollenspezifisch gesehen, beschrieben, analysiert, fertiggemacht, beobachtet, gepusht, niedergeschrieben etc.

Führend im grassierenden Sexismus sind die traditionellen Medien: Im Print sind Frauen selten, im TV noch seltener. Ständig sind Frauen Opfer, Miss Irgendwas, Sportlerin, Mutter oder «Mann von der Strasse». Expertinnen, Sachbuchautorinnen und Blogerinnen sind in den traditionellen Nachrichtengefässen inexistent.

Besonders auffällig ist: Derselbe Experte kann auf allen traditionellen Kanälen präsent sein. Doch wenn eine Expertin häufiger als zweimal in den Medien auftaucht, wird sie diskriminiert und niedergeschrieben (Studie la Staempfli 2011). Frauen werden zudem ausschliesslich über das Alter definiert: Bei Frauen kommt immer das Alter, bei Männern eher selten. Das Global Media Monitoring-Projekt zeigt: Medien haben nicht nur ein rückwärts gewandtes Menschenbild, sondern ein Frauenbild, das schon in den 1950er Jahren überholt war.

Ein Hoffnungsschimmer zum Schluss: Wie bei allen Revolutionen sind die Frauen auch bei der elektronischen ganz vorne dabei: Auf Twitter tauchen Frauen und Männer ungefähr gleich häufig auf. Egal ob Mann oder Frau: Punkto Gleichstellung sind Sie hier also gut aufgehoben, wie der Report «Who makes the news» zeigt.