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Sonntag
2.2.2014

Medien / Publizistik

Dominik Balmer am MAZ-Recherchetag

«Recherchen im lokalen Bereich wurden bisher unterschätzt», stellte Dominik Balmer am Recherchetag der Journalistenschule MAZ fest. Hintergrundgeschichten seien auch im Kleinen spannend, erklärte der Gewinner des Tamedia-Förderpreises für investigativen Journalismus weiter.

Balmer weiss, wovon er spricht, denn der 33-Jährige ist seit 2008 als Redaktor bei der «Berner Zeitung» tätig und hat zuvor schon als freier Journalist für das Blatt geschrieben. Seine Arbeit im Lokaljournalismus brachte ihm schliesslich auch den Gewinn des Tamedia-Förderpreises ein.

Lokaljournalismus sei aber gerade für einen rechercheaffinen Journalisten nicht immer einfach, erklärt Balmer dem Klein Report. «Ich musste mich teilweise gegen interne Widerstände durchsetzen. Denn Lokaljournalismus heisst auch, dass man den Leuten immer wieder über den Weg läuft und dass sich alle kennen. Gewisse Leute anzuschiessen, macht die Sache nicht einfacher.»

Balmer deckte mit seinen Recherchen heikle Verflechtungen und Doppelrollen von Spitzenmanagern bei der Schweizerischen Post und der BKW auf. Wirtschaftsthemen liegen ihm. «Wirtschaft ist für viele Leute eine Dunkelkammer, in die sie sich gar nicht rein trauen. Dieses Thema den Leuten näherzubringen reizt mich.» Besonders gerne würde er zu Steuerprivilegien von Unternehmen recherchieren.

Im Zug des Förderpreises kann der Berner Journalist ein einjähriges Praktikum im Recherche-Desk von «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» in Bern absolvieren. Er freue sich darauf, von den absoluten Profis zu lernen, so Balmer. Er erwarte, dass sich die Arbeit am Recherche-Desk von seiner Tätigkeit bei der «Berner Zeitung» massiv unterscheiden werde: «Bei der `BZ` ging es darum, möglichst schnell und tagesaktuell zu arbeiten. Am Recherche-Desk gibt es sicher weniger Pflichtstoff und mehr Zeit, um intensiv zu recherchieren.»

Um seine Recherchegeschichten bei einer Tageszeitung verwirklichen zu können, habe er bisher viel Eigeninitiative zeigen müssen, sei jedoch auch von seinen Vorgesetzten unterstützt worden, erklärt er seine Arbeitsweise. Der Gewinn des Preises freue ihn nun sehr und er verstehe ihn als Anerkennung seiner Arbeit.

Am Recherchetag am Montag beantworteten alle Dozenten, was Recherche leisten soll, Dominik Balmer ergänzte den Satz mit «aufrütteln». Er wolle Geschichten machen, «deren Erkenntnisse unsere Gesellschaft weiterbringen», ergänzte er gegenüber dem Klein Report. Balmer ist ein junger Journalist, der durch den Wunsch nach Aufklärung getrieben ist und der sich von Dunkelkammern und dem Undurchsichtigen deshalb angezogen fühlt.