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Sonntag
27.09.2020

Kino

Der Erfolgs-Film «Bruno Manser – die Stimme des Regenwaldes» war nur dank Geldern vom Teleclub möglich...

Im Rahmen der Kulturbotschaft 2021-24 hat der Bundesrat eine Investitionspflicht von vier Umsatzprozenten für internationale und nationale Streaming-Anbieter vorgeschlagen. Der Nationalrat hat den Betrag aber in der aktuellen Session von vier Prozent auf ein Prozent gekürzt.

Das passt der Filmbranche gar nicht.

Internationale Streaming-Anbieter haben in der Corona-Zeit erfolgreich in der Schweiz Fuss gefasst und von der Krise profitiert. Die Millionengewinne flossen ins Ausland ab. Der Bundesrat wollte das Filmgesetz an die neuen Produktions- und Konsumgewohnheiten anpassen. Auch im Sinne einer Harmonisierung mit den europäischen Praktiken.

Dagegen hatten Netflix sowie Swisscom und UPC massiv und erfolgreich lobbyiert. Die Swisscom muss nun gar nichts investieren, obwohl sie in der Schweiz Millionengewinne mit ihrem Filmangebot macht, schreiben die Branchenverbände in einer Mitteilung.

Andere zeigen sich mehr mit dem Schweizer Film verbunden. So investieren Teleclub und nationale TV-Sender seit geraumer Zeit vier Umsatzprozente ins Schweizer Filmschaffen. Dieser Fördertopf reicht aber nur für wenige. Deshalb formiert sich bei der Branche jetzt Widerstand.

Der Ständerat kann diesen Herbst den Entscheid des Nationalrates korrigieren.

Der Startschuss für die Aufklärungsarbeit der Filmbranche bildet ein Podium im Rahmen des Zürcher Filmfestivals. Weitere Aktionen sind geplant.

Dazu ein paar Hintergrund-Zahlen:

Netflix hatte in der Schweiz zweistellige Abo-Zuwachsraten und wird hier jährlich bald über 100 Millionen Franken einnehmen. Andere Anbieter wie Amazon, Apple oder Disney ziehen nach. Die Schweizer Filmwirtschaft geht leer aus und kämpft wegen Corona ums Überleben. Auch die Kinos bleiben auf der Strecke.

Die geforderten vier Prozent Investitionen liegen im Durchschnitt der europäischen Nachbarländer. In Frankreich sind es aktuell für Abonnementsdienste wie Netflix fünfzehn Prozent, in Italien zehn und in Spanien fünf Prozent.