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Mittwoch
1.3.2017

Medien / Publizistik

Wahlberichterstattung: Worum ging es?

In Frankreich wird gewählt. Aussichtsreicher Bewerber der Linken ist Emmanuel Macron. Mit seinem ´#LaFranceEnMarche` mobilisiert er gegen die rechtsnationalistische Marine Le Pen. Nun tauchen Gerüchte auf, dass auch diesmal der Kreml an einem westlichen Wahlkampf nicht unbeteiligt ist.

Medienexpertin Regula Stämpfli kommentiert für den Klein Report: «Chapeau, kann ich da nur nach Moskau rufen! Denn wie die Medien über das ´geheime` Engagement berichten, spielt genau jenen rechtsnationalistischen Fake-News-Entertainern in die Hand, welche die Medien zu bekämpfen vorgeben.

Le Pen hat eigentlich schon gewonnen. Denn statt dass auch die Zeitung ´Le Monde` über die unterschiedlichen Wahlprogramme berichtet, stürzen sich alle auf die Unglaublichkeit, Macron als ´Schwulen` zu betiteln. Seit wann ist Homosexualität Parteiprogramm? Wem nützen diese ständigen Diskussionen darüber, wer was wie mit ihrem oder seinem Körper treibt? Oder entscheiden nun Körperöffnungen über Wählerprozente?

Je öfter ´Homosexualität` im Zusammenhang mit Macron erwähnt wird, umso effektiver funktioniert nicht nur das Autocomplete auf Google, sondern auch in den Köpfen der Wählenden. Qualitätsjournalismus müsste sich mit Geschichten befassen, die Werte, Inhalte und Demokratie verhandeln, nicht mit der Freude zwischen den Beinen.

Politik-Berichterstattung als Peep-Show macht alles käuflich – da braucht es nicht mal Putin, um einen Wahlkampf zu zersetzen. Fake an den News ist schon längst, dass Stilfragen, Beliebtheitsquoten und rhetorische Fähigkeiten mit ´Demokratie` und ´Parteiprogramm` gleichgesetzt werden. Dabei ist der vielbeschworene Qualitätsjournalismus genau da, wo totgesagte Ideale wie Haushaltspolitik, Bürgerrechte und Abgabesystem noch herumgeistern.

Könnte es vielleicht sein, dass die Wahl Trumps und die mögliche Wahl Le Pens von den sich kritisch gebenden Medien gepusht wird, um vor ihrem Ableben wenigstens noch einmal den Auflage-Orgasmus zu erleben?

Mit der Reduktion alles Menschlichen auf Biologie, Sexualverhalten oder Stil lässt sich alles konstruieren: Ganz weit vorne stehen dabei Autokratien – nur haben dies ausgerechnet viele kritische Menschen überhaupt nicht begriffen.»