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Sonntag
28.02.2021

Medien / Publizistik

Willkommen im Facebook-Büro in Zürich: Der Tech-Gigant will die Medien bis 2024 mit «mindestens einer Milliarde Dollar» unterstützen. (Bild zVg)

Nach dem Beinahe-Crash von Facebook und australischem Staat tönt es beim Tech-Konzern, als sei er der missverstandene Freund und Helfer der Zeitungsverleger. Der Klein Report hat am Facebook-Sitz in Berlin nachgefragt.

Es war vielen Zeitungsverlagen eine fette Schlagzeile wert, als Facebook den australischen Usern letzte Woche kurzum den News-Hahn abdrehte. 

«Diesen Schritt hatten wir bereits vor einem halben Jahr angekündigt, da wir glauben, dass das vorgeschlagene Gesetz die Beziehung zwischen unserer Plattform und den Verlegern grundlegend missverstanden hat», sagte Johannes Prüller, Communications Manager Austria & Switzerland am Facebook-Standort in Berlin, auf Anfrage des Klein Reports. 

Mittlerweile haben sich die Wellen Down Under zwar wieder geglättet. Die australische Regierung hat zugestimmt, Änderungen an dem geplanten Gesetz vorzunehmen. Facebook wiederum hat angekündigt, die News-Sperre wieder aufzuheben.

Doch was bedeutet die gerade noch abgewendete Frontalkollision in Australien für die Verleger in Europa und insbesondere in Deutschland und der Schweiz? 

«Wir haben in Deutschland und in der Schweiz eine ganz andere Situation als in Australien», so Prüller. «Dennoch zeigt uns die letzte Woche, wie wichtig unsere Zusammenarbeit mit Verlegern ist.» Facebook wolle den «guten konstruktiven Dialog mit Medienpartnern» fortführen. Und auch weiterhin «in Produkte investieren».

Konkret meinte der Mediensprecher damit das sogenannte Accelerator-Programm, mit dem Facebook lokale Verlage bei der Weiterentwicklung ihrer Strategien für digitale Bezahlmodelle unterstütze und ihnen helfe, neue Leserinnen und Leser zu finden und diese stärker an sich zu binden.

Doch das ist nicht die einzige Charmeoffensive, mit der Facebook den Verlegern Offenheit signalisiert. Wie Nick Clegg, VP of Global Affairs, vor Kurzem im Unternehmensblog schrieb, befindet sich das Soziale Netzwerk in Gesprächen mit mehreren Unternehmen in Deutschland und Frankreich.

Dabei werde über die Einführung von «Facebook News» verhandelt, sagte Johannes Prüller weiter zum Klein Report. Das neue Angebot versteht er als einen «dedizierten Ort für Nachrichteninhalte auf Facebook». Eingeführt wurde es Ende Januar in Grossbritannien. Bald soll es auch in Deutschland und in Frankreich starten. 

«Mit ‚Facebook News‘ möchten wir Journalismus stärker auf unserer Plattform verankern und Verlage und Redaktionen dabei unterstützen, neue Zielgruppen zu erreichen, ihre Inhalte stärker zu monetarisieren und ihr Geschäftsmodell langfristig nachhaltig weiterzuentwickeln.» Das tönt versöhnlich.

Bei den europäischen Verlegern dagegen tönt es eher nach Säbelrasseln. Anfang Woche hatten mehrere europäische Verlegerverbände zusammen mit Microsoft eine Allianz angekündigt. Ziel sei es, dass «marktbeherrschende Gatekeeper» die Presseverlage für die Nutzung ihrer Inhalte bezahlen, wie die Initianten sagten. Damit meinten sie neben Google auch Facebook. 

Das neue Leistungsschutzrecht der EU reiche nicht aus, sagen die europäischen Verleger. Dies unter anderem deshalb, weil die Verhandlungen mit den Tech-Konzernen unfaire Ergebnisse zeitigten. 

Darauf angesprochen, ob in der Alten Welt gerade ein zweites Australien auf Facebook zurolle, sagte Prüller zum Klein Report: «Wir sehen die grosse gesellschaftliche Bedeutung eines gesunden Nachrichten-Ökosystems und verstehen uns als Partner der Medienbranche sowie als digitales Beratungsunternehmen, damit Medienhäuser unsere Dienste erfolgreich für sich einsetzen können.» 

Facebook konzentriere sich daher auf seine Kooperationen und Investitionen in «zukunftsfähigen Journalismus». «Seit dem Jahr 2018 haben wir insgesamt 600 Millionen Dollar zur Unterstützung von Medienunternehmen ausgegeben. In den kommenden drei Jahren investieren wir hier mindestens eine weitere Milliarde Dollar.»

Die Werbeumsätze von Facebook lagen im vierten Quartal 2020 bei 27,1 Milliarden US-Dollar.