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Montag
24.06.2019

Medien / Publizistik

Nicht 15 Millionen Franken für Thalos: «Der tatsächlich ausgerichtete Darlehensbetrag belief sich auf rund 7,72 Millionen Franken.»

Licht am Horizont des Publicitas-Konkursverfahrens: In den langen Verhandlungen um das Inkasso der noch offenen Debitoren ist eine Lösung in Sicht. Damit verbunden ist auch ein Deal mit der Investmentgesellschaft Thalos über die Höhe der umstrittenen Zessionszahlungen.

Die Verlage, die Konkursmasse und Thalos sind bereit, das zähe Ringen zu beenden. Das zeigen Akten, die dem Klein Report vorliegen. Daraus geht hervor, dass unter anderem Tamedia, Basler Zeitung AG, Neue Zürcher Zeitung AG, Admeira, TCS, Somedia, AZ Medien, Edition Suisse Holding und Thalos am 27. Mai einen ersten Durchbruch erzielt haben. Gemeinsam mit dem Konkursverwalter wurde eine Vereinbarung geschlossen.

Wichtigster Punkt ist das gemeinsame Debitoreninkasso. Es geht um Forderungen in Höhe von 24,7 Millionen Franken, die zu einem bedeutenden Teil noch offen sind. Viele Zahlungen wurden zurückgehalten, weil die Verlage mit ihrem Selbstinkasso für ein grosses Durcheinander gesorgt haben.

Hinzu kommt, dass für die eigentliche Publicitas-Konkursmasse - also den Teil, von dem alle Gläubiger profitieren würden - nur wenig Geld reingekommen ist. Gemäss Konkursamt Aussersihl-Zürich müssten aber «dringend Mittel für die Masse frei verfügbar gemacht werden», um das Risiko von Debitorenausfällen zu begrenzen.

Ein Schlüssel zur Lösung ist nun ausgerechnet Thalos. Die Finanzgesellschaft aus Luxemburg hat mit der Publicitas noch vor dem Konkurs einen Darlehensvertrag abgeschlossen und sich dafür im Gegenzug eine Sicherungszession geben lassen. So hat sich Thalos mit Debitorenforderungen und Bankvermögenswerte in Höhe von sagenhaften 15 Millionen Franken abgesichert.

Doch dieser Betrag ist offenbar viel zu hoch gegriffen. Nur ein Bruchteil davon ist damals wirklich von Thalos in die Kassen der Publicitas geflossen. «Der tatsächlich ausgerichtete Darlehensbetrag belief sich auf rund 7,72 Millionen Franken», heisst es in einem Schreiben des Konkursamtes. Ein offensichtliches Missverhältnis.

Und es kommt noch dicker: Selbst mit Zinsen und weiteren «vertraglich geschuldeten Kosten» hinzugerechnet werden die 15 Millionen bei Weitem nicht erreicht. «Auch unter Berücksichtigung dieser weiteren Beträge übersteigt nach heutigem Kenntnisstand der Wert der Sicherheiten, die Thalos eingeräumt wurden, deren Forderungen in erheblichem Umfang», stellte die Konkursverwaltung überdeutlich fest.

Die Verlage und Thalos haben in Anbetracht dieser Diskrepanz per Vergleich vereinbart, dass die noch offene Forderung von Thalos auf 7,5 Millionen heruntergesetzt wird. Das entspreche «in etwa dem ausgerichteten Darlehensbetrag» (O-Ton Konkursverwaltung), abzüglich einer noch vor Konkurseröffnung geleisteten Zinszahlung.

Der Clou dieser Vereinbarung: So würden auf einen Schlag die so dringend benötigten Mittel zugunsten der Konkursmasse freigemacht. Doch der Handel zwischen den Verlagen und Thalos hängt an einem seidenen Faden. Genauso wie die Einigung, beim Debitoreninkasso künftig gemeinsam vorzugehen.                  

Die Bereitschaft zu diesem Gesamt-Deal besteht nämlich nur, wenn er «rasch in Kraft tritt, damit das Inkasso ohne weitere Verzögerungen an die Hand genommen werden kann», mahnt der Konkursverwalter.

Bis spätestens am 31. August 2019 müsse die Gläubigerversammlung die Vereinbarung genehmigen. Wenn die Gläubigergemeinschaft am nächsten Mittwoch, 26. Juni, den Vergleich aber nicht unterstützt, beginnt das Tauziehen von Neuem.

Nachtrag Klein Report vom 27. Juni 2019: Im dritten Absatz des Textes stand in der ersten Version, dass mit dem Selbstinkasso der Verlage bislang 24,7 Millionen Franken zusammengekommen seien. Diese Passage hat der Klein Report angepasst. Zu den 24,7 Millionen gehören nebst dem erzielten Selbstinkasso auch die diversen noch offenen Forderungen.