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Dienstag
26.7.2016

Medien / Publizistik

Jede Zeit hat ihre Medien, jedes Medium seine entsprechende Politik. Wer heute eine Revolution von oben oder unten, einen Putsch, einen getürkten Wahlkampf unter anderem betreibt, tut dies per iPhone und Gewalt. Jüngstes Beispiel: Der türkische Militärputsch und Erdogans Machtergreifung.

Für den Klein Report kommentiert Dr. Regula Stämpfli: Vor über einer Woche putschten die Militärs in der Türkei und agierten nach alter Manier: Brücken und Staatssender besetzen.

Was den Militärputschisten offensichtlich und höchst erstaunlicherweise entging: Alle Online-Dienste blieben... eben online. So kommunizierte der amtierende Staatschef Erdogan, gegen den sich der Putsch richtete, nach wie vor direkt mit der Bevölkerung. Seine Massen-SMS mit Aufruf zum zivilen Widerstand, inklusive skuriles iPhone-Interview, zeigten Wirkung: Der Putsch wurde zuerst kommunikativ, dann politisch und polizeilich vereitelt.

Erdogan geholfen haben dabei vor allem auch die erdogankritischen Kräfte, die in der Türkei in den sozialen Netzwerken äusserst aktiv sind. Nach der Niederschlagung des Putsches agierte Erdogan, als ob er schon vor dem Putsch das Drehbuch «Die Machtergreifung» von Adolf Hitler aus dem Jahr 1933 studiert hätte. Innert Stunden setzte Erdogan die türkischen Ermächtigungsgesetze durch. Er verhaftete Gewerkschafterinnen, Universitätsprofessoren, Journalisten, schloss Gymnasien, Schulen und erlegte für alle Akademikerinnen der Türkei ein Ausreiseverbot. Amnesty International berichtet von Folter und unglaublichen Lagerzuständen in türkischen Gefängnissen.

In den sozialen Medien knirscht es zwar noch, doch die Drohung, via Facebook, Twitter, Instagram, Google Plus et cetera wegen einer kritischen Botschaft bei einer Türkeireise in den Foltergefängnissen zu landen oder Familienmitglieder dorthin zu schicken, wirkt.

Holzmediendemokratie war gestern, iPhone-Diktatur heute.