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Mittwoch
29.01.2020

Medien / Publizistik

Vorzugsbehandlung für einzelne Medien, rigorose Sperrfrist für die anderen...

Eine Sperrfrist der Eidgenössischen Medienkommission (EMEK) lässt aufhorchen: Ein Positionspapier zum Thema «Streamingdienste und Plattformen» dürfe nicht vor dem 30. Januar publiziert werden. Doch das Schreiben hat medial schon längst die Runde gemacht.

Im Papier geht es um die zunehmende Konkurrenz des klassischen Radios und Fernsehens durch Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime. Die EMEK empfiehlt, solche Anbieter genau gleich wie inländische Radio- und Fernsehsender zu regulieren.

Das würde für «gleich lange Spiesse» sorgen, schreibt die Medienkommission in einer Mitteilung. Diese datiert auf den 30. Januar 2020, obwohl sie online bereits abrufbar ist. «Sperrfrist 9:00 Uhr» steht ausserdem auf besagtem Communiqué.

Doch die Forderung der Medienkommission nach «gleich langen Spiessen» entpuppte sich in der Folge als pure Ironie: Denn die Sperrfrist, welche die EMEK selber für die Publikation ihres Positionspapiers gesetzt hatte, galt offenbar nicht für alle Medien gleichermassen.

So berichtete der «Medientalk» von Radio SRF 4 News bereits am Samstag, 25. Januar, ausführlich über die Empfehlungen der EMEK. Fünf Tage vor Ablauf der Veröffentlichungssperre hatte SRF also Zugriff auf die Unterlagen der EMEK. «Diverse Punkte lassen aufhorchen», schilderte Salvador Atasoy im «Medientalk».

Doch damit noch nicht genug: Medienprofessor Manuel Puppis, der selber Mitglied der EMEK und Mitautor des Positionspapiers ist, gab für den SRF «Medientalk» auch noch bereitwillig Auskunft, noch bevor alle anderen Medien darüber berichten durften.

Derselbe Puppis, der «gleich lange Spiesse» für Streaming-Plattformen und Schweizer Radio- und TV-Sender forderte, missachtete also unter Bevorzugung einzelner Medien die von der EMEK festgeschriebene Sperrfirst.

Am Montag, 27. Januar, war dann unter anderem der «Tages-Anzeiger» an der Reihe, der auf seiner Website ebenfalls ein Interview mit Manuel Puppis publizierte. Auch andere Medien berichteten nach und nach über das EMEK-Positionspapier. Offiziell abgelaufen war die Sperrfrist noch immer nicht.