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Dienstag
23.8.2016

TV / Radio

Ariel-Spot: Weshalb darf nur Mami waschen?

Die Marke Ariel schafft einen Aufmerksamkeitsrekord mit einem neuen Werbeclip. Klein-Report-Medienexpertin Dr. Regula Stämpfli liess sich auch verführen und kommentiert die neue Art von digitaler Markenverbreitung.

Native Ad war gestern, feministische Wäschetrommelfilme sind heute: Hochachtung vor Werbefritzen und -hannas! (Oder sollte ich besser Ad-Apple Rose & Marketing Connor sagen?) Ariel hat es wieder geschafft: Es waren Sonntagnachmittag 2,5 Millionen Clicks und eine zu Tränen gerührte Politologin.

«Why is laundry only a mother´s job?» erzählt die Geschichte einer jungen Mutter und Karrierefrau in London oder in Mumbai aus der Perspektive des beeindruckenden Vaters. «Mein wunderbares Mädchen» beginnt der Kurzfilm: Während die energisch junge Mama für den Job telefoniert, räumt sie rumliegende Legos weg, bringt ihrem Typen schnell ne Tasse Tee, lacht ihren Kindern zu, nimmt im Vorbeigehen die Unterlagen für ihr Büro und rennt die fünf Treppen rauf und runter und sieht dabei auch noch total schön aus.

Der Vater räsonniert über die Ungerechtigkeit der Welt, in der Frauen sich zu Tode schuften, während Männer Fernsehen schauen. Der Erzähler wird feministisch: Sohn lernt von Vater, Tochter von Mutter.

So geht die Geschichte weiter, exzellent gedreht, clevere Bilder, ein Spiel mit Multi-Kulti, modernes Frauenbild und und und bis zum Höhepunkt: «Warum sollte Wäsche nur ein Frauenjob sein?» - Opa hilft Oma beim Einfüllen der Wäschetrommel, natürlich nur mit Ariel.

Die Firma bewegt sich seit Jahrzehnten in der Verbindung «sauber und feministisch». «Klementine» war DIE Werbeikone in Deutschland. Sie trug Latzhosen, natürlich weiss, steckte unter einem kecken Hütchen, war keine Schönheit, dafür Klempnerin. Wäsche war bei Ariel, nach dem Luftgeist bei Shakespeare benannt, nicht nur sauber, sondern rein und Zeitgeist pur.

Die Chemiefirma Proctor&Gamble steht hinter Ariel und ist auch auf Wikipedia blütenweiss rein dokumentiert. Kein Skandal, keine Lobbykritik, nichts weist Wikipedia aus. Dabei gab es 2014 einen kurzen Shitstorm, weil die Firma meinte, mit «88» ein neues Produkt zu lancieren, das schon auf der Packung mitteilt, dass Ariel weiter reicht als je zuvor: nämlich statt «nur» 83 Wäschen eben «88». «Ariel: macht braune Hemden blütenweiss» oder «Nicht nur sauber, sondern arisch rein?» Selbstverständlich zog die Firma das Produkt sofort aus dem Verkehr: Die Marketingpanne war nicht nur peinlich, sondern wird auch einiges gekostet haben.

Zwei Jahre hat Ariel offenbar dazugelernt. Mit einem derart gut gemachten Spot, der Storytelling zur olympischen Disziplin erhebt, erobert eine Marke mit Feminismus die Welt - was den Feministinnen auch zu denken geben könnte.

Die Lehre der Geschichte? Mit Hitler lässt sich wohl nur gut Politik machen - denken wir an den Wahlerfolg der SVP mit dem 88-T-shirt Video -, aber keine Produkte verkaufen (Ironiedetektor einschalten).