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Montag
02.03.2020

Kino

Filmregisseur Ladj Ly gewinnt mit seinem Film «Les Misérables», einem Sozialdrama das von der Gewalt in den Pariser Banlieues spielt...

Bereits im Vorfeld der «César»-Verleihungen kam es um den Filmregisseur Roman Polanski (86) zu heftigen Kontroversen.

Als sein neuster Film «J’accuse» am Freitagabend den «César» für die beste Regie gewann, eskalierte in Paris der Streit, der sich unter anderem um die Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen Polanski dreht. Aus Protest verliessen zahlreiche Zuschauer den Saal; Roman Polanski selber blieb der Veranstaltung fern.

An den «französischen Oscars» hat aber Regisseur Ladj Ly mit seinem Erstlingswerk gewonnen. Sein Sozialdrama «Les Misérables» erhielt als bester Film die höchste Auszeichnung. Ladj Ly wurde 1978 in Mali geboren. Seine Geschichte handelt vom Alltag in einem Pariser Vorort, der von Gewalt und Rassismus geprägt ist.

Mit der Auszeichnung «bester Auslandsfilm» ging die Gesellschaftssatire «Parasite» des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho nach Hause. «Parasite» ist bereits mit vier Oscars der Überflieger des Jahres.

Das Historiendrama «J’accuse», das von Alfred Dreyfus handelt, dem französischen Offizier, der 1894 zu Unrecht des Hochverrats beschuldigt wurde, hatte nach seiner Nominierung zu den 45. «Césars» zu heftigen Debatten in Frankreich geführt. Im Film von Polanski geht es unter anderem um den Mut, öffentlich seine Meinung zu sagen und sich Machtmissbrauch entgegenzusetzen.

Bei der Jury des französischen Filmpreises ging es wenige Tage vor der Verleihung nicht um den Film, sondern um die Querelen und Vorwürfe gegen Roman Polanski. Die Auseinandersetzungen gipfelten im Rücktritt der gesamten Jury.

Roman Polanski, der schon einigen Filmfestivals, so auch dem Zurich Filmfestival, fernblieb, sagte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP: «Wir wissen doch, wie dieser Abend verlaufen wird. Aktivisten drohen mir bereits mit einem öffentlichen Lynchprozess, und einige sagen, dass sie draussen protestieren werden.» Polanski weiter: «Welchen Platz kann es unter solch beklagenswerten Bedingungen für einen Film über die Verteidigung der Wahrheit, den Kampf für Gerechtigkeit, blinden Hass und Antisemitismus geben?»

Protestiert wurde denn auch am Freitagabend, unter anderem mit Plakaten, die den Regisseur als rückfälligen Sexualstraftäter titulierten.

Zudem wurden vor der Preisverleihung der «Césars» neue Vergewaltigungsvorwürfe öffentlich. Die Schauspielerin Valentine Monnier sprach davon, dass Polanski sie 1975 sexuell missbraucht habe. Sie sei 18 gewesen, habe als Model und Schauspielerin gearbeitet. Roman Polanski, der die Vorwürfe bestreitet, habe versucht ihr eine Pille zu geben, und sie dabei geschlagen.