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Samstag
14.4.2018

Medien / Publizistik

Rappende Hetzer: Kollegah und Farid Bang

Kollegah und Farid Bang, sogenannte Skandal-Rapper aus Deutschland, haben am 12. April den begehrten Musikpreis ECHO gewonnen. Der Titel ihres gemeinsamen Albums: «Jung, brutal, gutaussehend 3».

Regula Stämpfli für den Klein Report über Antisemitismus, Rap und das Fehlen von #MeToo im Rap.

Die RAP-Hörenden sind 11 bis 25 Jahre alt: Die beliebteste Werbegruppe überhaupt. Kein Wunder, können sich Rapper alles erlauben. Die Widerwärtigkeiten sind nicht nur Norm, sondern vor allem Cash. Hasspropaganda in den Texten ist schlagendes Verkaufsargument: «Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen» oder «Nach dem Schlag denkst du, dich hätt ein Lkw überfahr´n. Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt». (Originalzitate aus dem ECHO-prämierten Song.)

Die Rapper brachten den Song – den die Medien in ihrer Idiotie «umstritten» nennen statt «antisemitische Hasspropaganda oder Terrorverherrlichung» – sogar live an der ECHO-Verleihung. Einzige Konzession für die Live-Performance: «Auschwitz-Insassen» wurde durch «Kunstfreiheit» ersetzt.

Battle-Rap lebt von Provokationen, frauenfeindlicher, homophober, rechtsextremer und antisemitischer Sprache und entsprechenden Gesten, Symbolen und Emblemen. Je krasser, umso besser die Verkäufe. Da widerspiegelt der Erfolg des Raps nichts anderes als das Rezept für rechtspopulistische Hetzpolitikerinnen und -politiker. Auf diesen Zusammenhang wies im Dezember 2017 auch Jakob Biazza in einem brillanten Text in der «Süddeutschen» hin.

«Hip-Hop belohnt seine Rapper für die Gewalt, den Missbrauch an Frauen», schreibt im «Daily Beast» Amy Zimmerman. Sie zeigt auf, dass vor allem jene Künstler besonders erfolgreich sind, deren Texte nicht nur Gewalt verherrlichen, sondern die wegen Gewalt an Frauen auch schon im Knast gelandet sind.

Zimmerman weist nach, dass Kritik gegen die Rapper immer versandet. Die Koalition Geld, Minderheiten, Verkauf, Gewalt, Männlichkeit schlägt alles. Damit lässt sich, wie ECHO zeigt, auch Preise gewinnen. Die Gegenwart ist ziemlich obszön: Da lassen empörte Studierende ein völlig harmloses Gedicht übermalen, während sie wahrscheinlich bei den «coolen Songs» der Minderheiten postmodern abtanzen: postfaktisch als Graben zwischen Authentizität, Fiktion und Handlung ist halt einfach geil, nicht wahr?

Beste Mittäter sind wie üblich die medialen und wissenschaftlichen Diskurse, die jede Kritik in bewusst pointillistischer Manier in Luft auflösen – siehe den Begriff «umstritten» -, es sei denn es handle sich um menschliche Handlungen, bei denen kein Geld fliesst.