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Dienstag
21.01.2020

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erntet Häme und Spott für ihre PR-Aktion.

Es gab und gibt schon alles auf dem Dorfe, das auch in der Stadt Karriere macht: Pirelli-Kalender, die sich mit «sexy» Bäuerinnen und Bauern schmücken, Hochglanzmagazine, die das Landleben verkitschen und «Horse&Hound»-Bestseller, wo man auch hinschaut.

Zudem wandern die «Babyboomer» gerne aufs Land. Max Moor, Neudeutscher, ehemaliger Schweizer Fernsehmoderator namens Dieter Moor, hat es schliesslich vorgemacht.

Kein Wunder, erfindet die deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die gerne auch mal mit Nestlé die Vorzüge «gesunden Essens» preist, eine Kampagne besonderer Art.

Mit dem Hashtag «#Dorfkinder» wollte sie eigentlich für das Landleben werben. Dringend notwendig, seitdem die Traktoren regelmässig zum Wochenende, kürzlich sogar mit der Klimajugend zusammen, die Strassen in den Grossstädten Deutschlands blockieren.

Am Samstag twitterte Klöckner vier Fotos unter dem Hashtag «#Dorfkinder» über ihren Account und erntet seitdem witzige, nachdenkliche, politische, polemische, wahrhaftige Kritik. Alles in allem ein grosses Eigentor für das Bundeslandwirtschaftsministerium und dessen oft unglücklich agierende Chefin.

«Fridays For Future Germany» konterte die Kampagne mit den Worten «Dorfkinder werden zwangsumgesiedelt, weil für Kohle weiter ihre Heimat vernichtet wird». Die Schriftstellerin Sophie Passmann meinte sarkastisch: «Bei mir auf dem Dorf gab es einen, der immer, wenn er besoffen war, ‚Deutschland den Deutschen’ gerufen und den Hitlergruss gemacht hat.»

Oder Twitter-Nutzer «Rawel» (@rawelioli) kommentierte: «#Dorfkinder müssen einen Tag warten, weil sie den Bus verpasst haben.»