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Dienstag
2.5.2017

Medien / Publizistik

Plaudern: Trump, Lagarde und Merkel

Das war unüblich: Da waren Frauen mit Titel, Funktion und Ereignis in den News: Der Dreier mit Ivanka Trump, Christine Lagarde und Angela Merkel in der «Süddeutschen Zeitung» vom 26. April animierte Klein Report-Kolumnistin und Politologin Regula Stämpfli zu einem Posting auf Twitter und Facebook mit der Überschrift: Frauen - Rechte - 2017.

Die Geschichte der Frauenbewegung ist die des kapitalistischen Marktes. Chancengleichheit wird - mit blitzend weissen Zähnen, gut sitzenden Kostümen und entsprechender Taille - als Sähnehäubchen, Empowerment und Feelgoodfaktor verramscht. Dem Feminismus-Markt ist es völlig egal, ob eine Frau in ihrer Funktion als Tochter mit der gewählter Bundeskanzlerin plaudert, bei der Chefin des Internationalen Währungsfonds unterhakt oder ihre fünfjährige Tochter vor dem chinesischen Ministerpräsidenten ein Liedchen trällern lässt - mit dem Resultat, anschliessend den grössten Deal für ihre Privatfirma abschliessen zu können. «Gefällt mir» - Daumen hoch: «Gut gelaufen» untertitelte die «Süddeutsche Zeitung» denn auch das Treffen der drei unterschiedlichen Frauen Trump, Lagarde und Merkel.

Was genau ist eigentlich «gut gelaufen»? Sämtliche Kommentatoren waren sich einig, dass die Einladung der Tochter des Präsidenten ein politisch äusserst geschickter Schachzug von Angela Merkel war, um die deutsch-amerikanischen Beziehungen in ein gutes Fahrwasser zu bringen. Richtig.

Gut gelaufen ist die Begegnung aber in erster Linie für den Goldlöffel-Feminismus: Inszenierung statt Politik verkauft sich seit einiger Zeit sehr gut.

Statt der Kanzlerin die Frage «Sind Sie Feministin?» zu stellen, wäre die Frage, was die vier Frauen auf dem Podium (die kanadische Aussenministerin war auch da) denn eigentlich für die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann tun, angebracht gewesen. Aber klar doch. «Sind Sie Feministin?» ist 2017 zu einem netten Brand geworden. Die Kanzlerin stockte zwar ein bisschen, doch die IWF-Chefin Lagarde (eine Ikone, ja eigentlich eine Inkarnation des menschenfeindlichen Neoliberalismus, deren Finanzpolitik ganze Länder enteignet) brachte die Kanzlerin mit lautem Lachen, Klatschen und Fausterheben in Schwung. Lauter als in jeder Stammtischrunde unter Kerlen wurde beim Begriff «Feminismus» gejohlt, geklatscht und schliesslich den Arm in die Höhe gereckt.

Echt würdevoll und dem Anlass völlig angemessen, nicht wahr? Die Welt liegt in den Händen johlender Millionärinnen, wer möchte da nicht fröhlich mitlachen? Die Bundeskanzlerin, besonnen wie immer, redete im Gegensatz dazu von «Gemeinsamkeiten und Unterschieden» und schliesslich davon, sich nicht mit einem Titel schmücken zu wollen, den sie gar nicht verdient habe. Ein kluges Statement, das um einiges feministischer war als all die feministischen «Hände hochs» der anwesenden Elitefrauen.

Ivanka Trump sass neben der Aussenministerin Kanadas, Chrystia Freeland, der IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Merkel auf dem Podium der W20. Sie war die einzige, die dies ohne Amt, ohne Wahl, sondern einzig und allein als «First Daughter» tat.

Keine gute Nachricht für den Feminismus, selbst wenn die Schlusserklärung die Stärkung von Frauen ins Zentrum stellte - im üblichen Bankenspeak abgefasst. Auch das ist Feminismus 2017: Worte statt politische Veränderungen.