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Dienstag
17.03.2020

Medien / Publizistik

Die Corona-Krise sorgt für hohe Quoten und Klick-Rekorde auf allen Kanälen...

Mehr Klicks, grössere Kaufbereitschaft und weniger Werbung: Die Berichterstattung über das Coronavirus stösst in der Schweizer Bevölkerung auf sehr grosses Interesse. Eine Umfrage des Klein Reports zeigt, dass die Zugriffs- und Zuschauerzahlen bei den Medienhäusern in die Höhe schnellen, aber gleichzeitig Inserate storniert werden.

Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung während der Coronavirus-Krise ist selbstverständlich gross. Der Klein Report hat beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), bei Ringier, bei der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) sowie bei CH Media und der TX Group nachgefragt, wie sie das gesteigerte Interesse wahrnehmen.

Die SRF-Informationsangebote im Fernsehen und im Netz werden gemäss Andrea Wenger, Leiterin Media Relations, «deutlich stärker genutzt» als bei einer normalen Nachrichtenlage. So verzeichnete das News-Angebot auf srf.ch und in den SRF-Apps im Februar «fast 80 Prozent» mehr Visits im Vergleich zum Februar 2018.

Auch die «Tagesschau» und «10vor10» erreichten im März bislang etwa einen Viertel mehr Zuschauerinnen und Zuschauer. «Die 'Tagesschau'-Hauptausgabe vom 12. März verfolgten 1,04 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Das war der höchste Wert für die ,Tagesschau' seit über vier Jahren», erklärte Wenger gegenüber dem Klein Report.

Wenig überraschend liegt auch die Nutzung des Video-Angebots im Web und auf dem Smartphone «deutlich über dem Durchschnitt». So war beispielsweise die tägliche Streamingdauer der «Tagesschau»-Videos im Februar «60 Prozent über Normalniveau», so Wenger.

Bei Ringier im Zürcher Seefeld klingt es ähnlich: «Alle Beiträge rund um das Coronavirus stossen auf enormes Interesse, das Informationsbedürfnis ist gross», schrieb Mike Pelzer auf Nachfrage des Klein Reports, ohne genauere Zahlen zu nennen. Auch beim neuen Internetfernsehen Blick TV dominiere das Coronavirus die Berichterstattung, so Pelzer weiter. Allerdings würden in dieser Startphase keine Zahlen bekannt gegeben.

Doch das omnipräsente Thema macht sich nicht nur in den Schlagzeilen breit, sondern auch am Inseratemarkt: Die Ringier-Medien verzeichnen «erste Rückgänge aufgrund der Situation rund um das Coronavirus», so Mike Pelzer weiter. «Wir beobachten den Markt weiterhin und warten die politischen Entscheidungen ab.»

Nicht viel anders sieht es bei der NZZ aus, die nur ein paar Meter vom Ringier-Pressehaus entfernt domiziliert ist. «Bei der NZZ haben sich sowohl das Interesse an unseren Artikeln zum Coronavirus sowie die Kaufbereitschaft in den letzten Tagen und Wochen markant erhöht», wie Seta Thakur, Leiterin Unternehmenskommunikation, gegenüber dem Klein Report erklärte. Doch bei den Werbekunden werde gemäss Thakur eine «Zurückhaltung bei den Ausgaben» registriert. «Es gab in den letzten Wochen eine Reihe von Stornierungen und Verschiebungen von Aufträgen.»

Ebenfalls mehr Zugriffe und mehr Publikum zählen die Zeitungen und TV-Sender von CH Media: In den letzten beiden Februarwochen verzeichnete das Aargauer Medienhaus in den Regionen Ostschweiz, Zentralschweiz und Nordostschweiz «Steigerungen des Traffics um 30 bis 60 Prozent», so Stefan Heini, Leiter Unternehmenskommunikation, gegenüber dem Klein Report. Ausserdem habe die Informationssendung «ZüriNews» auf TeleZüri am 10. März einen Marktanteil von 51,6 Prozent erzielt.

Auch bei der TX Group an der Zürcher Werdstrasse ist das riesige Informationsbedürfnis der Bevölkerung zu spüren: Bei den Tamedia-Bezahltiteln seien «deutlich mehr Zugriffe» festzustellen, sagte Patrick Matthey, Leiter Kommunikation. Insbesondere fundierte, erklärende Beiträge mit hohem Informationswert würden stark nachgefragt. «Als Folge davon beobachten wir auch eine höhere Anzahl an Registrierungen.»

Das gleiche Bild zeigt sich bei «20 Minuten»: Gemäss Matthey verzeichne das Pendlerblatt seit dem Ausbruch des Virus und insbesondere seit dem ersten bestätigten Fall in der Schweiz «massiv mehr Traffic» auf dem Newsportal.

Doch auch bei den Inseraten zeigen sich die Auswirkungen des Coronavirus klar: Demnach liegen die Buchungsrückgänge mittlerweile «über dem Anfang letzter Woche kommunizierten Betrag von rund 2,5 Millionen Franken», so Matthey.