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Mittwoch
16.01.2019

Medien / Publizistik

«7500 Franken für eine Reisereportage-Idee»

Die gesamte Reisebranche, die über vielfache Kanäle Journalisten zu PR-Schreibern degradiert, versendet schon seit Jahren Ausschreibungen zu irgendwelchen Schreibwettbewerben.

Eines von vielen Beispielen kommt von der Hans Imholz-Stiftung, die offensichtlich aus dem letzten Loch pfeift. Alle Jahre wieder wird schweizweit zum Imholz-Förderpreis aufgerufen, zur Teilnahme am PR-Preis «7500 Franken für eine Reisereportage-Idee».

«Partnermedium ist die `SonntagsZeitung´». Das heisst: In der Tamedia-Zeitung wird später die PR-Reisereportage veröffentlicht. Und wie die Branche weiss, geht es auch dem Tamedia-Konzern finanziell furchtbar schlecht, er pfeift demnächst auch aus dem letzten Loch.

Die Redaktion des Klein Reports versucht auch Reise-Journalisten auf den Radar zu nehmen. Aber die komplett verkommerzialisierte Branche überbietet sich jedes Jahr aufs Neue. Wie beim Imholz Förderpreis am Dienstag wieder einmal geschehen, glauben die «Veranstalter», dass Ausschreibungen jeglicher Art, die eigentlich in den Werbeteil gehören, unisono von Redaktionen abgedruckt werden.

Dem ist mittlerweile sicherlich auch so. Die vielen verzweifelten Journalisten auf den durch Sparprogramme durchgetrimmten Redaktionen versuchen, in vorauseilendem Gehorsam, (fälschlicherweise) zu gefallen. So brauchen Stiftungen jeglicher Art keine Werbung zu schalten und jammern dafür von «kein Geld haben». Das Public-Relations-Ziel wird ins Erhabene gesteigert, denn es sei eine noble Geste für den darbenden Journalismus.

Man könnte dies besser auch die «Entehrung des Journalismus» nennen. Denn auf allen Ebenen werden die Schreiber zu (Informations-)Wasserträgern herabgesetzt. Beim Imholz Förderpreis sucht eine Jury aus Reisejournalisten, dem Swiss Travel Writers Club (STC), ihr «Gspönli» aus, das dann «in den folgenden Monaten das Konzept umsetzen» darf - «sprich die Reise zu planen sowie umzusetzen» und «den Text bis Ende Jahr zu schreiben».

Der erfolgreiche Reiseunternehmer Hans Imholz, der auch etwas Licht auf sich scheinen lassen möchte, darf im PR-Text stolz sagen, dass er auch dieses Jahr den durch ihn finanzierten Preis zusammen mit dem STC lanciert und «in der `SonntagsZeitung´ den idealen Partner» sieht. «In dieser Publikation wird nach wie vor viel Wert auf gepflegten Reisejournalismus gelegt, und das schätze ich sehr. Ich freue mich jede Woche von neuem auf die Lektüre der Zeitung.»

Das ist die Zeitung, die zu dem Konzern gehört, der neuerdings von einer «Corporate Media Responsability» spricht. Das heisst, Kunden «müssen» dort werben - staatspolitisch wichtig sozusagen - wo auch über sie «gratis geschrieben wird», wie Marcel Kohler, Chefverkäufer der Tamedia, die demokratiepolitischen Gedanken von Verleger Pietro Supino an der Dreikönigstagung darbot.

Was machen wir nun mit dieser Reisereportage? Die ist am Ende drei bis vier Mal durchgesponsert. Wenn es ganz dumm läuft, wird der Text demnächst noch vom Steuerzahler über die von den Verlegern geforderte, erneut zu erhöhende indirekte Presseförderung alimentiert.

Und ja: Vielleicht sind wir vom Klein Report in unserer redaktionellen Haltung «etwas staatstragend».