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Sonntag
15.7.2018

Medien / Publizistik

Die freiwilligen Abgänge bei der Tageszeitung «Der Bund» häufen sich. Aufgrund der latenten Jobunsicherheit und der geringen Identifikation mit dem Arbeitgeber Tamedia hat die Fluktuation in den letzten Wochen und Monaten deutlich zugenommen.

Marc Lettau, der im Juli die Kündigung bereits eingereicht hat, ist kein Einzelfall. In jüngster Vergangenheit haben es diverse Kolleginnen und Kollegen vorgemacht und ihre Stelle bei der Berner Tageszeitung von sich aus aufgegeben.

Einige nutzten die Gelegenheit, weil sich bei einem anderen Arbeitgeber eine Türe öffnete. Dazu gehört beispielsweise Redaktorin Anita Bachmann, die bei einem Fachheft die Aufgabe als Chefredaktorin übernimmt, wie der Klein Report erfahren hat. Auch die beiden Layouterinnen Melanie Scheuber und Sabrina Ryser haben den «Bund» unlängst verlassen, um eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen.

Mit Basil Weingartner und Adrian Manuel Moser haben sich zudem zwei Jungtalente von der Lokalredaktion verabschiedet. Weingartner hat sich als Spezialist im Gesundheitswesen einen Namen gemacht, Moser deckte hauptsächlich den Bereich Schule und Bildung ab. Beide hätten ins Blaue gekündigt, heisst es.

Die Kolleginnen und Kollegen reagieren teilweise mit Galgenhumor auf die diversen Abgänge: So vernahm der Klein Report jüngst aus der Redaktion, dass die hohe Dichte an Abschiedsapéros zuweilen schon zu einem erhöhten Alkoholismusrisiko führe.

Klar ist: Von den schleppenden Sparübungen in der Lokalredaktion gebeutelt, schauen sich viele nach einer neuen Stelle um. Das gilt nicht nur für den «Bund», sondern auch für die «Berner Zeitung», den zweiten Tagestitel von Tamedia in der Hauptstadt. Dort verabschiedete sich nach Informationen des Klein Reports zuletzt Mirjam Messerli vom Ressort Kanton Bern, um eine Stelle beim Staat anzunehmen.

Denn anders als eine Beschäftigung beim Staat gilt die Stelle in Bern nicht als sicher. Einige fragen sich, wie lange die beiden eigenständigen Titel «Der Bund» und die «Berner Zeitung» in der Hauptstadt noch nebeneinander existieren werden. «Die Versprechen von heute sind morgen vielleicht bereits Makulatur», erklärte ein anonymer Mitarbeiter dem Klein Report.

Die Situation birgt eine gewisse Ironie, denn eigentlich ist die Fluktuation bei den Lokalredaktionen von Seiten der Tamedia gar nicht gewollt - ganz anders als beim Tamedia-Mantel, wo sich die Redaktoren teilweise gegenseitig auf den Füssen stehen. Es liegt deshalb nahe, dass die Abgänge in den Lokalressorts mit Ressourcen aus dem Mantel ersetzt werden.

So hat Brigitte Walser bereits im Mai vom Mantel zur Lokalredaktion vom «Bund» gewechselt. Und auch Christoph Aebischer verlässt demnächst den Tamedia-Mantel wieder, um ab August beim «Bund» eine offene Lücke zu schliessen.