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Dienstag
14.10.2014

Medien / Publizistik

Vergangene Woche ist Pierre C. Meier unerwartet verstorben. Der Klein Report hat ein paar Stimmen zum Gedenken an den Werber und Fachjournalisten eingeholt.

Meiers letzter Chef, Verleger Hanspeter Lebrument, erinnert sich an sein letztes Gespräch mit Pierre C. Meier: «Es sind gut 14 Tage her, dass ich mit Pierre ein Gespräch führte. Es sollte das letzte Gespräch sein. Er legte mir dar, dass die grossen Werbeunternehmungen, die APG, die Publigroupe und die Goldbach Media in der Schweiz äusserst erfolgreich gearbeitet, aber im Ausland wenig Lorbeeren eingeheimst hätten. Er überlegte sich, einen Kommentar für heimisches Schaffen zu schreiben», erinnert sich der Verlegerpräsident und VR-Präsident der Südostschweiz Medien.

«Pierre Meier war ein intensiver, ein mit der Branche vertrauter und ein von seinen Kollegen geschätzter Journalist und Chefredaktor. Als die `Werbewoche` in unser Haus kam, hatten wir das Glück, mit Pierre Meier einen kompetenten und sachgewandten Chefredaktor zu haben», so Lebrument zum Klein Report. Das Fachblatt «Werbewoche» gehört zu Lebruments Somedia in Graubünden.

Lebrument erinnert sich an Meiers Zukunftspläne: «Ende Jahr wäre der Journalist in die verdiente Pension gegangen und hätte weiterhin für die `Werbewoche` geschrieben. Wir feierten dieses Weitermachen vor kaum einem Monat zusammen in Interlaken am Verlegerkongress. Pierre Meier durfte wegen einer heimtückischen, kurzen Krankheit diesen Übergang nicht mehr geniessen. Seiner Familie entbieten wir unser tief empfundenes Beileid.»

Der ehemalige Journalist Oliver Classen charakterisiert Pierre C. Meier mit den Worten: «Der Werber als Journalist: Pierre war ein Wandler zwischen den Kommunikationswelten, dem Menschen und Beziehungen wichtiger waren als Texte oder Konzepte.»

Der Mediensprecher der Erklärung von Bern (EvB) verrät auch eine persönliche Reminiszenz: «Zu meinem Seitenwechsel vom `Werber-Blick` zur Polit-NGO meinte er damals: `Du brauchst und kannst das, also mach es.` Danke Pierre, ich werde deine liebenswürdige Lakonie vermissen», so Classen.

Hans-Peter Rohner nennt Pierre C. Meier «einen der grossen Mediaplanungspioniere der Schweiz». «Er war nie einer der Krawallmacher, dafür war er sehr erfolgreich und ein unermüdlicher Schaffer. Er wusste stets mehr, als er sagte; auch als Chefredaktor der `Werbewoche`».

Erst kürzlich noch hätten sie Pläne zusammen geschmiedet, verrät Rohner dem Klein Report: «Am diesjährigen Verlegerkongress in Interlaken habe ich mit ihm über `loslassen` und `auf zu neuen Ufern` gesprochen. Dabei hat er mir viele private Projekte skizziert und wir hatten vereinbart, nächsten Sommer gemeinsam eine Festivalnight in Locarno zu arrangieren. Ich werde PCM stets in bester Erinnerung behalten», sagt Hans-Peter Rohner «in stiller Anteilnahme».

Für den ehemaligen Werber Peter Leutenegger war «Pierre das letzte aktive Urgestein unserer Branche», sagt der Geschäftsführer des BSW dem Klein Report: «Erstmals begegneten wir uns, als er bei BSSM als Beratungschef für die Fiat-Kampagne - die mit den `schrägen` Frauen - verantwortlich war. Es war eine fantastische und mutige Markenkampagne, von der er noch Jahre später stolz erzählen konnte», so Leutenegger, der viele Jahre Inhaber der Werbeagentur FCB Leutenegger Krüll war.

«Er war mit Leib und Seele Werber, Mediaspezialist, Journalist, Fotograf und Geniesser. Er war rabautzig, manchmal abweisend, freundlich und doch immer wieder offen und kompromissbereit», beschreibt Peter Leutenegger den Verstorbenen.

«Vor zwei Wochen haben wir vereinbart, dass wir uns Mitte Oktober zusammensetzen werden, um ein paar Branchenthemen zu diskutieren. Ende Jahr höre er auf, er freue sich, hat er mir gesagt. Irgendwann nach vierzig Jahren sei es genug mit der Werbung, es sei schwierig geworden, Spass zu haben in unserer Branche, die derart unter finanziellem Druck stehe und in der sich kaum jemand mehr leisten wolle, etwas für die Branche generell zu tun», erinnert sich Peter Leutenegger und fragt: «Sein unerwarteter Tod hat mich etwas ratlos hinterlassen, was nun?»