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Mittwoch
01.04.2020

TV / Radio

Lea Inderbitzin leckt Hazel Bruggers Hand: «Eine Anleitung zur Ansteckung mit dem Virus sprengt die Gestaltungsmöglichkeiten satirischer Beiträge», schreibt Ombudsmann Oliver Sidler.

Mit einem satirischen «Grüsel»-Video übers Coronavirus sorgte Radio 3fach für Wirbel. Ombudsmann Oliver Sidler weist das Luzerner Jugendradio nun zurecht.

In dem Bericht «3fach schläckt sich durch Luzern» kommt unter anderem zur Sprache, wie die Moderatorin Lea Inderbitzin den Touchscreen eines Ticketautomaten oder die Hand von Komikerin Hazel Brugger ableckte, um sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Der Radiobericht und vor allem das Youtube-Video, in dem die Szene gezeigt wird, löste massive Proteste aus.

Obwohl der Ombudsmann eigentlich nur für den Radiobeitrag zuständig ist, lässt er in seinem am Montag publizierten Bericht nicht ungesagt, dass er das Video «geschmacklos und deplatziert» finde. «Eine Anleitung zur Ansteckung mit dem Virus, auch wenn sie provokativ und nicht ernst gemeint war, sprengt meines Erachtens den weiten Rahmen der Gestaltungsmöglichkeiten satirischer Beiträge.»

Weniger Mühe hatte Oliver Sidler mit dem Radiobeitrag. Dies unter anderem deshalb, weil offengelegt wurde, dass die von der Reporterin abgeleckten Flächen vorgängig desinfiziert worden waren. Und weil darauf hingewiesen wird, dass man mit der Aktion nie jemanden in Gefahr bringen wollte.

Gefehlt hat dem Ombudsmann allerdings eine Auseinandersetzung mit der Kritik auf das Video. Diese sei von den Radiomachern zu pauschal als Shitstorm abgetan worden.

«Eine Entschuldigung zur gesendeten Provokation wie auch eine Entschuldigung gegenüber den bereits Erkrankten, dem Pflegepersonal und vielen weiteren Personen, die gegen die Pandemie ankämpfen, wäre an dieser Stelle angebracht gewesen», schreibt Anwalt und Ombudsmann Sidler schliesslich.