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Sonntag
21.06.2020

Medien / Publizistik

«Von einem regionalen Verleger wurde ich gefragt, nach welchen Kriterien solche Aufträge verteilt werden», sagte Ständerat Hansjörg Knecht.

Der Bundesrat muss sich ein paar unangenehme Fragen zur Corona-Aufklärungkampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gefallen lassen. SVP-Ständerat Hansjörg Knecht versteht nicht, weshalb kaum Inserate in den kleinen Regional- und Lokalzeitungen geschaltet worden sind.

«Im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurden die Inserate Zu Hause bleiben nur in grossen Tageszeitungen geschaltet», sagte Hansjörg Knecht auf Anfrage des Klein Reports. «Von einem regionalen Verleger wurde ich gefragt, nach welchen Kriterien solche Aufträge verteilt werden.»

Dieser Frage sei er dann beim BAG nachgegangen. «Die Antwort war, dass mit einer Mediaagentur zusammengearbeitet wird und die Kampagne auf Geschwindigkeit, maximale Reichweite und höchstmögliche Flexibilität in allen Landesteilen ausgelegt ist», so der Ständerat weiter zum Klein Report. «Oder mit anderen Worten: Die Kleinen sind dazu nicht geeignet!» 

Nach Informationen des Klein Reports lag die Ausspielung der Kampagne in den Händen von Mediaschneider.

Die Antwort des BAG hat Hansjörg Knecht nicht befriedigt. «Es scheint, dass das BAG seine Inserate-Kampagne zum Coronavirus einseitig und mit wenig nachvollziehbaren Kriterien aufgegleist hatte», schreibt Knecht in einer Interpellation, die er am 9. Juni eingereicht hat. 

Vor allem seien die grossen und überregionalen Medientitel für die Verbreitung berücksichtigt worden. Auch bei anderen Kampagnen des Bundes zeige sich dieses Muster. Hauptargument für diese Strategie war beim BAG offenbar, dass die grossen Medienhäuser rasch auf Situationsänderungen reagieren konnten. Gerade bei der Corona-Kampagne war dies ja wichtiger denn je. 

Der 2019 neu gewählte Ständerat und frühere Nationalrat kann da nicht mitziehen. «Das irritiert, da gerade kleinere und lokal verankerte Verlage ebenfalls flexibel und agil, wenn nicht sogar rascher und kurzfristiger Änderungen kurz vor Redaktionsschluss einbauen können», schreibt Knecht, der auch in der Fernmeldekommission sitzt, in der Interpellation weiter. 

Vom Bundesrat verlangt er nun Rechenschaft darüber, aufgrund welcher konkreter Kriterien das BAG die Medien ausgewählt hat respektive auswählen liess, in der die Inserate der Corona-Kampagne schliesslich geschaltet worden sind. 

Dabei bricht der Aargauer Ständerat eine Lanze für die Kleinverlage: «Regionale und lokale Zeitungen sind oft stark mit einer Region verwurzelt. Wenn das BAG oder andere Bundesinstitutionen die breite Bevölkerung erreichen wollen, sind gerade die kleinen Medienhäuser wichtige und glaubwürdige Partner.»

Doch seine Kritik geht noch weiter. Dass der Bund überhaupt auf externe Agenturen zurückgreift, leuchtet Hansjörg Knecht nicht ein. «Zusammen mit den Generalsekretariaten und der Bundeskanzlei müssten genügend interne Ressourcen und Kompetenzen im Bereich Kommunikation zur Verfügung stehen, insbesondere in einer ausserordentlichen Lage, wenn gewisse Alltagsarbeiten wegfallen.»