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Dienstag
05.02.2019

TV / Radio

CNN Money Switzerland ist seit einem Jahr am Markt. Trotz tiefer Zuschauerzahlen sieht Gründer und CEO Christophe Rasch sein Nischen-Produkt offenbar auf der Überholspur: Im Interview mit dem Klein Report vergleicht er sein Medienunternehmen nämlich mit einem Ferrari.

Im letzten November sahen 100’000 Zuschauer CNN Money Switzerland am linearen TV, ebenfalls 100'000 User zählten Sie auf der Website. Das war Ihr bester Monat bisher. Das Wirtschaftsmagazin cash.ch kommt auf 430’000 Unique Users pro Monat und die SRF-Wirtschaftssendung «Eco» erreicht pro Abend gut 100’000 Zuschauer. Wie müssen sich die Zahlen entwickeln, damit Sie konkurrenzfähig werden?
Christophe Rasch
: «Diese Zahlen sind bereits heute für den von uns angestrebten Nischenmarkt wettbewerbsfähig. Wir sind nicht vergleichbar mit den breiten Medien, welche versuchen, so viele Menschen und damit so viele Ziele wie möglich zu erreichen...»

... nicht vergleichbar, sagen Sie, weshalb?
Rasch
: «Wir sind ein englischsprachiges Medienunternehmen, das Nischeninhalte für ein qualifiziertes Publikum produziert. Zum Vergleich: Ferrari verkaufte 2018 2128 Autos in einem sehr zielgerichteten Nischenmarkt, aber Volkswagen verkaufte mehr als 10 Millionen an ein sehr breites Publikum. Zu sagen, dass Ferrari nicht wettbewerbsfähig ist, wäre ein schwerer Fehler...»

Kürzlich hiess es in einer CNN-Money-Pressemitteilung: «Die Qualität unserer Inhalte und unserer Formate ist uns wichtiger als hohes Volumen.» Das klingt so, als wollten Sie lieber in Schönheit sterben, als wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Messlatte bleiben nun mal die Zuschauerzahlen, nicht?
Christophe Rasch
: «Wir sind kein ‘Fernsehsender’, sondern ein Multiplattform-Medium, dessen Geschäftsmodell und Kosten nicht mit den Sendern der Vergangenheit vergleichbar ist. Unsere Produkte gehen über die traditionellen Sender hinaus. Markeninhalte und Produktionen im Zusammenhang mit dem digitalen Vertrieb sind beispielsweise Produkte, die viel besser auf unsere Medien abgestimmt sind als Massenwerbung.»

CNN Money produziert Branded Content für Unternehmen. Wie wollen Sie den Spagat schaffen, an einem Tag für eine bestimmte Firma bezahlte Inhalte zu produzieren und am nächsten Tag den CEO im Studio zu interviewen?
Rasch
: «Es ist ein Modell, das sich bei den grossen Medien, von der ‘New York Times’ bis hin zu CNN International, bewährt hat. Solange man hohe ethische Standards anwendet und die redaktionelle sowie kommerzielle Abteilung vollständig trennt, einschliesslich getrennter Teams, gibt es kein Problem. Zudem arbeiten wir Hand in Hand mit dem CNN-Aufsichtsorgan ‘The Row’ für diese Fragen der operativen Trennung.»

Können Sie etwas zu den Erträgen sagen? Wann werden Sie die Gewinnschwelle erreichen? 
Rasch
: «Wie jedes Unternehmen, das gerade dabei ist, seine Geschäftstätigkeit aufzunehmen, hoffen wir so schnell wie möglich auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Aber überall werden Medienmodelle neu erfunden, auch im Schweizer Markt, und die Unsicherheit ist für alle Marktteilnehmer gross. Wir hoffen weiterhin, unsere auf vier bis fünf Jahre festgelegten Ziele zu erreichen.»

39 Prozent aller Nutzer von CNN Money Switzerland kommen nach Ihren Angaben aus dem Grossraum Zürich. Nun planen Sie den Bau eines zusätzliches Studios im waadtländischen Gland. Braucht es für die drei Stunden TV-Programm pro Tag wirklich ein zweites Studio? 
Christophe Rasch
: «Leider ist es nicht möglich, die Westschweiz von Zürich aus zu bedienen. Alle Qualitätsmedien wissen das. Die Westschweiz ist voll von Institutionen (EPFL, UN, IOC, Sportverbände und andere mehr) und Sitz von Weltklasse-Unternehmen wie Nestlé, Nespresso, Logitech, Philip Morris, Vale, Procter&Gamble, Pictet oder Swissquote. Wir müssen in ihrer Nähe sein, um über sie zu berichten und unser Netzwerk aufzubauen. Darüber hinaus sind unsere Studios kommerzielle Werkzeuge, die in der Nähe unserer Kunden sein müssen.»

Wird das neue Studio auch vom Mutterhaus CNN genutzt werden?
Rasch
: «Wie unser Zürcher Studio werden auch die Einrichtungen in Gland von CNN genutzt.»

Von welcher Investitionssumme sprechen wir beim Studio in Gland? Wer finanziert das?
Rasch
: «Wir geben den Betrag unserer Investitionen nicht an. Aber wir wissen, dass letztere unerlässlich sind, um über ein wettbewerbsfähiges Werkzeug zu verfügen, das es uns ermöglicht, auf qualitativ hochwertige Weise mit möglichst geringen Belastungen zu produzieren. Die Zusammenarbeit mit der Forschung und Entwicklung R&D der globalen CNN-Gruppe ist dafür eine aussergewöhnliche Gelegenheit.»