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Mittwoch
16.03.2016

Medien / Publizistik

Die Tamedia-Pressekonferenz vom Dienstag

«Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Joint Venture zwischen SRG, Ringier und Swisscom nicht zustande kommt», erklärte Pietro Supino, Verleger von Tamedia, am Dienstag im Rahmen der Präsentation der Konzernzahlen 2015. Aber auch wenn das «Projekt Tell» zustande kommt, sieht sich Tamedia im Werbemarkt «ab 2017 in einer starken Position», erklärte Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung, dem Klein Report im Anschluss an die Pressekonferenz.

«In Punkto digitale Reichweite müssen wir den Wettbewerb sicher nicht fürchten», sagte Christoph Tonini dem Klein Report. Denn sowohl im Print- wie auch im Digital-Bereich belegt Tamedia mit den eigenen Marken die «Nummer-eins-Positionen». «Anders als bislang werden diese Marken der einzelnen Bereiche künftig im Gesamtpaket vermarktet», womit der Medienkonzern gemäss Tonini auf ein Marktbedürfnis reagiert habe.

Denn nicht zuletzt durch die rückläufige Bedeutung des Prints wurde dieser Schritt unabdingbar: «Früher konnte der `Tages-Anzeiger` problemlos separat vermarktet werden. Heute hat sich das geändert, der Kunde will ganzheitlich buchen können», so Tonini weiter. Gerade in dieser neuen, ganzheitlichen Vermarktung sieht der CEO ein grosses Potential.

Den entscheidenden Faktor der Wettbewerbsverzerrung beim «Projekt Tell» sieht Tonini darin, dass die Allianz dank der SRG über ein Bewegtbild verfügt - etwas, was Tamedia wiederum fehlt. «Selber einen Fernsehsender zu produzieren ist unglaublich teuer. Über das Joint Venture kommen Ringier und Swisscom an diese Möglichkeit, ohne die Ausgaben dafür tätigen zu müssen», findet er.

«Wir wollen keine Wettbewerbsverzerrung durch die Kooperation der gebührenfinanzierten SRG mit einem einzelnen Medienunternehmen», erklärte auch Pietro Supino. Ihm läuft der Gedanke der Teilnahme der staatlich finanzierten SRG am Joint Venture zuwider: «Die SRG ist gebührenfinanziert. Und der Bereich TV-Werbung hält sich stabil, ganz im Gegensatz zum strukturell unter Druck stehenden Print-Bereich. Die SRG braucht deshalb keine zusätzlichen Ertragsquellen», erklärte er. Im Gegenteil: «Die SRG sollte ihr Privileg, das ihr durch die Gebührenfinanzierung zukommt, mit Zurückhaltung geniessen», resümierte Supino schliesslich.

Das ist einer der Gründe, weshalb Tamedia zusammen mit dem Verband Schweizer Medien beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) von Medienministerin Doris Leuthard eine Beschwerde einreicht. Der Entwurf dazu wurde bereits verfasst. «Die Klageschrift wird noch in dieser Woche eingereicht», sagte Christoph Zimmer, Leiter Unternehmenskommunikation Tamedia, dem Klein Report.