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Freitag
24.09.2021

Medien / Publizistik

Christof Moser (l.) über die einzelnen Positionen zu den Staatsgeldern: «Einen Überblick über persönliche Haltungen in der Redaktion habe ich nicht»... (Bild: zVg)

Nicht nur grosse Zeitungsverlage würde vom neuen Medienförderungsgesetz profitieren, sondern auch Online-Magazine wie die «Republik». Doch der staatliche Geldregen bleibt vorerst noch aus: Das Referendum «Staatsmedien Nein» ist am 7. September zustande gekommen.

Im Interview mit dem Klein Report spricht Christof Moser, Mitglied der Chefredaktion und Mitgründer der «Republik», darüber, wie sich das Online-Magazin positioniert und ob die «Republik» ohne staatliche Förderung untergehen würde.

Wie positioniert sich die «Republik» zum neuen Medienförderungsgesetz?
Christof Moser: «Die ‚Republik‘ behandelt das Thema ausschliesslich journalistisch und ohne Positionsbezug. Die Project-R-Genossenschaft als Herausgeberin der ‚Republik‘ hat sich bereits während den politischen Beratungen zur Medienförderung im Parlament aus Solidarität mit den kleinen Verlagen und im Interesse der Medienvielfalt dafür ausgesprochen.»

Wie hoch wäre der Förderbetrag, der Ihrem Unternehmen im Falle einer Annahme des Gesetzes neu zustehen würde?
Moser: «Keine Ahnung, wir kalkulieren unsere Budgets rein marktwirtschaftlich und ohne Förderbeiträge.»

Würde Ihr Unternehmen die Fördergelder annehmen?
Christof Moser: «Das wird bei uns der grösste Verlegerverband der Schweiz entscheiden: die über 24’000 Verlegerinnen und Verleger von derzeit total 28’800 Abonnentinnen der ‚Republik‘, die in der Project-R-Genossenschaft organisiert sind.»

Können Sie sagen, ob es in der Redaktion der «Republik» schon zu Diskussionen über das Förderpaket gekommen ist? Was sind die einzelnen Positionen zu den Staatsgeldern?
Moser: «Das Thema taucht an Redaktionskonferenzen im Hinblick auf Recherchen und Geschichten auf. Einen Überblick über persönliche Haltungen in der Redaktion habe ich nicht, soweit ich weiss, gibt es Befürworter und Gegnerinnen.»

Wie halten Sie es in Ihrem Haus mit der sogenannten «inneren Pressefreiheit»?
Christof Moser: «Die äussere und innere Pressefreiheit zu garantieren und zu verteidigen ist für ein Medienunternehmen oberste Pflicht. Dementsprechend halten wir sie hoch.»

Würde sich die «Republik» oder die Project-R-Genossenschaft in den Abstimmungskampf einmischen, wenn es zu einem Urnengang über das Medienförderungsgesetz kommt?
Moser: «Unser publizistisches Ziel ist immer dasselbe: vernünftige Informationen zu liefern, damit Bürgerinnen vernünftige Entscheide fällen können. Das bedingt bestmögliche Information, aber keine Positionsbezüge. Wir geben als Redaktion nie Abstimmungsempfehlungen ab.»

Die «Republik» ist zusammen mit Bajour, Tsüri, «Wochenzeitung» und anderen Titeln im Verband Medien mit Zukunft organisiert. Wie wird sich dieser Verband in der politischen Debatte um Staatsgelder für Medien einmischen? Können Sie sagen, ob schon einzelne Aktionen geplant sind?
Christof Moser: «Das weiss ich nicht, das müssen Sie den Verband fragen.»

Was wären die kurz- und langfristigen Folgen einer Nicht-Annahme des Gesetzes für die «Republik»?
Moser: «Für die ‚Republik‘ spielt die Medienförderung im Gegensatz zu vielen kleineren, traditionellen Verlagen in den Regionen, bei denen es um die Existenz geht, keine entscheidende Rolle. Wir können unser publizistisches Angebot aus dem Lesermarkt finanzieren. Eine Herausforderung wäre für uns, wenn das Gesetz angenommen würde und sich unsere Verlegerinnen gegen die Förderung entscheiden würden. Weil damit die Verzerrung des Wettbewerbs gegenüber den Grossverlagen, die durch die indirekte Presseförderung heute schon besteht, noch grösser würde. Aber auch das wäre zu schaffen.»

Kritiker des Förderpakets monieren, dass staatliche Gelder die Unabhängigkeit der Medien bedrohen. Manche sprechen beispielsweise von «Staatsmedien». Wie hält die «Republik» von dieser Kritik?
Christof Moser: «Es gibt berechtigte Einwände gegen das Medienförderungspaket, das Geraune über ‚Staatsmedien‘ gehört nicht dazu. Man sollte bei den Fakten bleiben: In Ländern, die ähnliche Fördermodelle kennen, konnte keine Beisshemmung gegenüber Politik oder Behörden festgestellt werden.»