Content:

Montag
18.03.2019

Medien / Publizistik

Christchurch: Trauer um 50 Attentatsopfer

Bei den Terroranschlägen in Christchurch in Neuseeland sind mindestens 50 Menschen getötet worden.

Der rechtsextreme Täter zeigte den Angriff live auf Facebook und nutzte auch andere Social-Media-Plattformen, um seine abscheuliche Tat und sein krudes Manifest zu verbreiten.

Noch bevor er seine Tat beging, schrieb er im Chatroom «8chan»: «Bitte tragt euren Teil bei und verbreitet die Botschaft». Seine Anhänger luden das Video des Amoklaufs herunter und verbreiteten es über Whatsapp, Twitter, Youtube, Reddit und andere soziale Netzwerke.

Auch nannte der Täter laut dem Fernsehnetzwerk Verge den Namen eines der grössten Youtuber der Welt, PewDiePie, ein Pseudonym für den Schweden Felix Kjellberg, der 89 Millionen Follower hat. Kjellberg distanzierte sich umgehend von der Tat, er sei völlig angewidert, dass der Attentäter seinen Namen verwendet habe. Zu spät, potenziell 89 Millionen bekamen so die Tat über einen einzigen Youtube-Account mit.

Der Anschlag zeigt einmal mehr, wie überfordert die sozialen Netzwerke sind, wenn es darum geht, gewalttätige Aufnahmen von ihren Plattformen zu löschen. Es kursieren immer noch Versionen des Videos im Internet, auch zwei Tage nach dem Attentat.

Manche Plattformen wie Facebook und Youtube nutzen auch die Hilfe von künstliche Intelligenz, um Inhalte aufzuspüren, die gegen die Richtlinien verstossen. Terrorinhalte würden so in vielen Fällen in wenigen Minuten gelöscht, teilten die Netzwerke im Dezember mit.

Im Falle von Christchurch musste allerdings erst die Polizei Facebook auf das Video aufmerksam machen, bevor es gelöscht wurde, offenbar hatten die internen Mechanismen beim US-Konzern wieder einmal versagt.

Facebook beschäftigt mehr als 15'000 Mitarbeitende, die das Netzwerk nach Hassbotschaften oder Gewalttaten durchsuchen und die entsprechenden Inhalte und Benutzerkonten löschen können. Auch Youtube hat vergleichbare Massnahmen getroffen.

Im Dezember hatte sich der EU-Rat dafür ausgesprochen, die Social-Media-Konzerne stärker in die Pflicht zu nehmen. Freiwillige Massnahmen reichen nicht mehr. Facebook, Twitter und Co. sollen unter Androhung empfindlicher Strafen zum schnellen Löschen von Gewaltdarstellung verpflichtet werden.

Eine technische Lösung, die aber heftig umstritten ist, könnten Uploadfilter sein, die Content scannen, bevor er hochgeladen wird. Demnächst wird sich das europäische Parlament mit diesem Instrument befassen.