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Mittwoch
30.09.2020

Kino

Mulan stiehlt ihrem alten Vater den Marschbefehl und schmuggelt sich als junges Mädchen unter die Soldaten...

Mit dem chinesischen Märchen «Mulan» wollte Disney einen sehnlichst erwarteten Erfolg im Reich der Mitte feiern. Doch das Heldenepos made in Hollywood mit einem Budget von 200 Millionen Dollar musste bis jetzt in China ein absolutes Debakel erleben.

Am ersten Wochenende hat der vermeintliche Blockbuster von Niki Caro in China nur etwas über 8 statt 26 Millionen Dollar eingespielt, wie es für solche Premieren üblich ist. Erste Kalkulationen für die Gesamtspielzeit werden damit auf unter 50 Millionen extrapoliert.

Dabei wäre die Strategie fast perfekt gewesen. Ein altes chinesisches Märchen, gedreht in der Volksrepublik, dazu mit Liu Yifei eine der bekanntesten Schauspielerinnen Chinas in der Titelrolle.

Doch dieses Aushängeschild hat zum Höhepunkt der Demokratie-Proteste in Hongkong im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Sie stellte sich auf die Seite der Polizei. Was zu ersten Boykott-Aufrufen beim Publikum in Hongkong führte.

Im Heimmarkt von Disney in den USA gab es ebenfalls Boykottaufrufe. Dies, weil Teile des Films in der von Uiguren bewohnten Provinz Xinjiang gedreht wurden. Dort wird das muslimische Volk in Umerziehungslagern zwangsinterniert. Disney hat trotzdem am Ende des Films mehreren Organisationen gedankt, die solche Arbeitslager betreiben.

Christine McCarthey, CFO bei Disney, will ihre Produktion allerdings verteidigen. Es sei an 20 verschiedenen Orten in China gedreht worden, die dem China aus der Epoche der Hauptfigur Mulan entsprechen. Für diese Dreharbeiten musste die Erlaubnis der Zentralregierung in China eingeholt werden. Und da gehöre ein Dank zum höflichen Ritual.

Fakt sei auch, «dass der Film grösstenteils in Neuseeland gedreht wurde». Und auch diese Region werde im Nachspann verdankt.

In den USA hat «Mulan» wegen der Pandemie das Kino in diesem Sommer übersprungen und ist gleich auf Disney+ gestreamt worden. Wer den Film in Amerika anschauen will, muss aber zum Abo noch eine Extragebühr von 30 Dollar bezahlen.

Die in Nordamerika weiter geschlossenen Kinos sorgen nun für ungewöhnliche Kinocharts: Ausgerechnet das von den Chinesen produzierte Kriegsepos «Die Achthundert» von Hu Guan ist heute der weltweit erfolgreichste Kinofilm 2020, berichtet der «Hollywood Reporter».

In China ist das lokale Kriegsepos ein Dauerbrenner. Weltweit hat der Film bisher 432 Millionen Dollar eingenommen, was im Normalfall die Hälfte von einem solchen Blockbuster ist. Aber was ist heute schon normal im Filmbusiness...