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Dienstag
17.11.2020

Medien / Publizistik

Beim Prozess geht es nicht nur um das Bestrafen von Terror, sondern auch generell um Pressefreiheit und mögliche Grenzen für Karikaturen...

Vor einem besonders zusammengesetzten Gericht für Terrorfälle wird in Paris seit Anfang September eine mehrtägige Anschlagsserie aufgerollt, bei der es im Januar 2015 insgesamt 17 Todesopfer gab.

Von den Anschlägen war nicht nur die Redaktion der Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» betroffen, sondern auch ein koscherer Supermarkt in Paris.

Der Prozess musste wegen Corona schon mehrfach unterbrochen werden. Jetzt war am Montag, 16. November, einer der Angeklagten nach einer Corona-Infektion erneut nicht in der Lage, zu erscheinen. Das berichteten französische Medien unter Berufung auf den Vorsitzenden Richter Régis de Jorna.

Die Verhandlung in Paris werde nun für mindestens eine weitere Woche ausgesetzt.

Insgesamt sind 14 Personen angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Vorbereitung der Anschläge geholfen zu haben. Drei von ihnen sind flüchtig. Drei Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

Bei der Befragung im Gerichtssaal geht es vor allem um die Frage, ob die Angeklagten über die terroristischen Pläne Bescheid wussten.

Im Verlauf der bisherigen Verhandlungen mussten die Anwesenden auch Videos von der Tat anschauen. Der Horror schockierte die Zuschauer, einige Zivilkläger verliessen den Saal. Caty Richard, Anwältin der Zivilkläger, begründete: «Die Bilder mussten vor Gericht gezeigt werden. Wir haben Kriegsmaschinen gesehen.»

Neben solchen Terror-Vorwürfen geht es beim Prozess aber auch um die Pressefreiheit und die Karikaturen von «Charlie Hebdo», die zu den Attentaten führten.

Als Zeugin in letzter Minute wurde im September zusätzlich Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, vorgeladen. Sie erzählte, wie sie den Tag der Attentate bei «Charlie Hebdo» erlebt hat, bei einer Neujahrszeremonie im Rathaus. Sie war schnell vor Ort und danach ständig in Kontakt mit den Verletzten und den Familien der Opfer. Ihr Auftritt sollte zeigen: Es geht nicht nur um die Verurteilung von Terrorismus. Der Prozess soll auch die Taten für die Opfer aufarbeiten. Einige der Überlebenden leiden seit dem Anschlag unter Behinderungen.