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Donnerstag
06.02.2020

TV / Radio

Alexander Duphorn, Jonas Projer, Nathalie Wappler und Roger Elsener diskutierten über das Fernsehen der Zukunft...

Totgesagte leben länger: Seit Jahren wird die Zukunft der Fernsehindustrie schwarzgemalt. Laut Alexander Duphorn, CEO des TV-Vermarkters Goldbach Media, ist nun tatsächlich ein kritischer Punkt erreicht. Duphorn geht davon aus, dass die Werberückgänge effektiv spürbar werden.

Vor diesem Hintergrund stellten sich Nathalie Wappler, Direktorin Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), Jonas Projer, Leiter Blick TV, Roger Elsener, Geschäftsleiter TV, Radio und Filmvertrieb CH Media und Alexander Duphorn der Frage, wie sich das Medium Fernsehen verändern muss, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Reto Lipp, der den «Communication Summit» vom Dienstagabend in der ETH Zürich moderierte, schilderte einen scheinbaren Widerspruch: Einerseits zeigten die Zahlen, dass die Zuschauer dem Fernsehen den Rücken kehren, andererseits boomen Bewegtbild-Formate im Internet.

So erschliessen Medienhäuser wie Ringier und Tamedia diesen Markt. Und auch SRF bringt seine Inhalte vermehrt online ans Publikum: «Im Herbst starten wir mit unserer Streaming-Plattform, die dem Nutzer ein Netflix-Feeling transportieren soll», erklärte Nathalie Wappler auf der Bühne.

Doch Roger Elsener von CH Media relativierte den Drang von Fernsehanbietern, sich online zu versuchen. Sendungen wie «Der Bachelor» bewiesen, dass das klassische Fernsehen selbst junge Leute weiterhin erreichen könne. Das bei 3+ neu angelaufene Format «The Voice of Switzerland» sei sogar mit einer Rekordquote für den Sender gestartet.

Das Problem des Mediums Fernsehen sei also nicht das fehlende Publikum, sondern die fehlenden Werbeerträge. In diesem Punkt waren sich Roger Elsener und Alexander Duphorn von Goldbach Media einig.

Die Lösung dieser Problematik wäre simpel: «Es braucht neue, alternative Werbeformen für Replay-TV», forderte Elsener. Deutlich komplizierter sind hingegen die Verhandlungen mit der Swisscom, die nun schon länger laufen. Wenn die Swisscom nicht mitspielt, sind Alternativen zur klassischen TV-Werbung, die bei der zeitversetzten Nutzung überspult werden kann, nicht möglich.

Daneben gibt es auch einen zweiten Lösungsansatz: Statt die Werbung dem Replay-TV anzupassen, könnte das Fernsehprogramm so ausgerichtet werden, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer die Inhalte gar nicht erst zweitversetzt konsumieren – klassisches Beispiel sind Sportevents, bei denen das «Liveerlebnis» im Vordergrund steht.

«Wir alle sind auf der Suche nach dem Roger-Federer-Erlebnis», so Jonas Projer in diesem Sinne. Blick TV werde sich voll und ganz nach den thematischen Aktualitäten ausrichten. «Innert drei Minuten wollen wir mit der Kamera bereit sein, um ‚Breaking News’ senden zu können», kündigte der ehemalige «Arena»-Moderator an.

Das Angebot von Blick TV werde allerdings nicht primär auf den Livekonsum, sondern auf Video on Demand zugeschnitten. Gegenüber CH Media und SRF hat Blick TV als Web-Medium nämlich einen entscheidenden Vorteil: Die Werbeformen, die im Fernsehen noch nicht möglich sind, stehen online schon längst zur Verfügung.