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Samstag
27.03.2021

Medien / Publizistik

Neue Doppelspitze: Alexandra Würzbach konzentriert sich auf «Bild am Sonntag», Julian Reichelt auf «Bild» Print und digital...

Nach einer befristeten Freistellung kehrt Julian Reichelt (40) ab sofort wieder in die Chefredaktion des deutschen Boulevardblatts «Bild» zurück. Gleichzeitig wird die Leitung mit Alexandra Würzbach (52), Chefin der «Bild am Sonntag», als Doppelsitze neu aufgestellt.

Reichelt wird sich künftig schwerpunktmässig auf «Bild» Print und digital sowie «Bild» Live fokussieren, wie der Medienkonzern Axel Springer am Donnerstag mitteilte. Neben dem bisherigen Chef wird Alexandra Würzbach «gleichberechtigte Vorsitzende der ‚Bild’-Chefredaktionen» und sich dabei auf die «Bild am Sonntag» und das übergreifende Personal- und Redaktionsmanagement konzentrieren.

Für die inhaltliche Ausrichtung aller Produkte der «Bild»-Gruppe werden Würzbach und Reichelt gemeinsam verantwortlich sein, heisst es in der Mitteilung weiter. Mit der neuen Doppelspitze soll sich die Führungskultur bei der Zeitung ändern.

Hintergrund ist ein nun abgeschlossenes Compliance-Verfahren des Springer-Konzerns, das sich mit verschiedenen Vorwürfen bezüglich des Verhaltens von Julian Reichelt befasst hat. Im Zuge dessen wurde der «Bild»-Chef am 12. März auf eigenen Wunsch freigestellt.

Im Kern der Untersuchung standen die Vorwürfe des Machtmissbrauchs «im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz», schrieb der Konzern weiter. «Entgegen der in einigen Medien kolportierten Darstellung gab es keine Vorwürfe und auch im Untersuchungsverfahren keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung.»

Julian Reichelt habe allerdings die Vermischung von beruflichen und privaten Beziehungen eingeräumt, die Vorwürfe jedoch «bestritten und dies auch eidesstattlich versichert».

Der Springer-Vorstand um den Vorsitzenden Mathias Döpfner sei zum Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Reichelt «aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredaktor abzuberufen.»

Konzernchef Döpfner liess sich in der Mitteilung wie folgt zitieren: «Wir sind nach gründlicher Abwägung zur Überzeugung gelangt, dass es richtig ist, dass Julian Reichelt nun in einer Doppelspitze mit Alexandra Würzbach seine Arbeit fortsetzen kann. Er hat Fehler gemacht. Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen.»