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Dienstag
28.04.2020

Medien / Publizistik

«Die Mobiliar ist eine eindrückliche Firma», sagt Ringier-CEO Marc Walder (links), daneben Mobiliar-Chef Markus Hongler.

«Zuerst heisst es, die Corona-Krise zu bewältigen», tönt es im Lead der Titelgeschichte des neuen «Domo», dem Unternehmensmagazin des Medienhauses Ringer.

Dann erst könne man laut Ringier-CEO Marc Walder digitales Neuland betreten und «innovatives Denken», so Mobiliar-CEO Markus Hongler, einbringen. Mit «The Perfect Match» für die digitale Transformation entstehe «ein gewaltiger Schub», so die Schlagzeilen der «Domo»-Cover-Story von April 2020.

Die Geschichte begann 2015 in New York. Im Big Apple trafen sich Michael Ringier, dessen CEO und heute Mitinhaber Marc Walder sowie Ringier-Newsroom-Projektleiter Roman Sigrist mit Mobiliar-CEO Markus Hongler, der das Trio auf einem sogenannten «Lern-Trip» begleitete. Zusammen besuchte man innerhalb von zwei Tagen IBM/Watson, Youtube, Google, die «New York Times», «Forbes» sowie «Business Insider». 

Das Gespräch, das die Zusammenarbeit der beiden Konzerne ins Rollen brachte, fand abends in der Hotelbar statt - nicht etwa bei Champagner oder Whisky, sondern, so Hongler, «bei Tee und Cappuccino». Gemäss Walder spielt dabei «das persönliche Einvernehmen eine riesige Rolle. Es zählen Vertrauen, Verlässlichkeit und gemeinsame Ziele».

Am 3. Februar diesen Jahres gaben Marc Walder und Markus Hongler bekannt, dass Ringier den Versicherungskonzern mit 25 Prozent am Unternehmen beteiligen lässt. Dem Deal gingen längere Abwägungen beider Seiten voraus. Details dazu gaben die beiden CEOs in einem launigen Interview im «Domo» bekannt. 

Damals im Big Apple bei Tee und Cappuccino stellte Markus Hongler die Frage, weshalb Ringier die Anteile der Scout-Gruppe nicht der Mobiliar angeboten hatte. O-Ton Hongler: «Und Marc war, das ist selten genug der Fall, sprachlos.»

Walder musste zugeben, dass ihm dies schlichtweg nicht in den Sinn gekommen sei. Bei Hongler stellte genau diese Antwort eine Chance dar. Denn wenn es Marc nicht einfiel, dann auch niemand anderem. 

Für den Mobiliar-Chef war das so etwas wie ein Erweckungsruf. Es kam, wie es kommen musste: Wenige Monate später übernahm die Mobiliar die Anteile von KKR und wurde Ringier-Partner bei der Scout-24-Schweiz-Gruppe. Für Walder war der Schritt Honglers ein Beweis von dessen Zielstrebigkeit, Analysefähigkeit und Mut. Dass ein Versicherer in ein Unternehmen investiert, das digitale Marktplätze für Autos und Immobilien betreibt.

Die beiden CEOs schieben sich die Komplimente im «Domo»-Interview gegenseitig zu. Hongler: «Marc Walder ist eine charismatische Person mit Visionen. Er kann, das ist entscheidend, diese auch umsetzen.» 

Ringier habe vom analogen zum digitalen, vom nationalen zum internationalen Unternehmen einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Der Konzern habe Investitionen getätigt, Bereiche abgestossen und andere eingekauft. «Und sich so einen strategischen Wettbewerbsvorteil erarbeitet.» Er, Hongler, werde alles daransetzen, dass die Mobiliar im Versicherungsumfeld diesen strategischen Vorteil auch hat.

Bis der Deal über den Tisch ging, fanden die neuen Ringier-Mitbesitzer in den vergangenen Jahren trotz Meinungsverschiedenheiten stets einen gemeinsamen Weg. Hongler: «Genau so baut man Vertrauen auf.» Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Mobiliar-Verwaltungsratspräsident Urs Berger in Bern informierten Michael Ringer und Marc Walder die Mobiliar-Chefs darüber, dass Ringier mit Investoren in aller Welt in Kontakt sei. 

Keine 48 Stunden später informierte der Mobiliar-VR-Präsident Michael Ringier, dass man Interesse an Ringier habe. Marc Walder: «Innerhalb von ein paar Tagen haben Michael Ringier und ich alle Flüge und Gespräche mit Investoren in den USA, England und Asien abgesagt. Dass ein Unternehmen wie die Mobiliar, die 15 derart erfolgreiche Jahre hinter sich hat, gleichzeitig den Weitblick besitzt, zehn Jahre nach vorne zu schauen, ist sehr bemerkenswert. Die Mobiliar ist eine eindrückliche Firma.»