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Dienstag
12.10.2021

Marketing / PR

Für die Werbeflächen sei einzig die Firma Gewista zuständig, reden sich die Verkehrsbetriebe der Stadt Wien heraus: Teaser soll am 21. Oktober aufgelöst werden... (Bild: BIZEPS)

Eine Plakataktion mit dem Slogan «Mit einer Behinderung wirst du NICHT gebraucht» sorgt in Österreich für Empörung.

Dass die entsprechenden Plakate ausgerechnet an Haltestellen der städtischen Verkehrsbetriebe der Bundeshauptstadt Wien hängen, sorgt bei den oftmals auf den öffentlichen Verkehr angewiesenen Menschen mit Behinderung für zusätzliche Empörung.

Mit dem Österreichischen Behindertenrat und dem in Wien ansässigen Behindertenberatungszentrum Bizeps haben am Montag gleich zwei Organisationen öffentlich den sofortigen Stopp der Kampagne eines bislang unbekannten Auftraggebers gefordert.
 «Diese Kampagne stellt eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen dar und muss daher umgehend gestoppt werden», fordert der Präsident des Österreichischen Behindertenrats Michael Svoboda und fügt an: «Die Kampagnenverantwortlichen müssen sich öffentlich dafür entschuldigen, um klar zu machen, dass eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen ein No-Go in unserer Gesellschaft ist.»

Zwar sei es gemäss Berichten in den österreichischen Medien explizit die Intention der Kampagne, zu provozieren, um dann am 21. Oktober «aufgelöst» zu werden. Doch gebe es gemäss Behindertenrat-Präsident keine «Auflösung», die es rechtfertigen könnte, dass Menschen mit Behinderungen diesen verachtenden Satz für rund zwei Wochen täglich lesen müssen. «Sie werden nämlich damit öffentlich als unbrauchbar dargestellt. Zu oft hören Menschen mit Behinderungen diskriminierende Aussagen wie diese – diese Kampagne retraumatisiert sie!», findet Michael Svoboda in seinem Statement des Österreichischen Behindertenrats klare Worte.


Empört ist man auch beim Behindertenberatungszentrum Bizeps: «Hier wird mit einer kalkulierten widerlichen Provokation Aufmerksamkeit erregt», zeigt sich Martin Ladstätter vom Beratungszentrum BIZEPS verärgert.

Eine Meinung, welche von der Wiener Autorin Marlies Hübner geteilt wird: «Wie auch immer diese Kampagne am 21.Oktober aufgelöst wird – ich habe das Gefühl, der Schaden ist angerichtet. Das, was Menschen ohnehin schon denken, wird bestätigt und brennt sich durch täglichen Sichtkontakt weiter ein. Keine Wendung kann so stark sein, um diese Aussagen zu neutralisieren.»

In einer Zeit, in der die Grenzen des Sag- und Denkbaren immer weiter verschoben würden, sei eine über menschenverachtende Teaser funktionierende Werbekampagne, die nicht umgehend aufgelöst wird, keine gute Idee.


Das Behindertenberatungszentrum Bizeps und weitere Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen haben daher offizielle Beschwerden beim Österreichischen Werberat eingebracht.

Zusätzlich lässt Bizeps gerade prüfen, ob diese Kampagne und deren Verbreitung den Tatbestand der Verhetzung gemäss österreichischem Strafgesetzbuch erfüllt.


Zu Wort gemeldet haben sich inzwischen auch die Verkehrsbetriebe der Stadt Wien: «Für die Vergabe der Werbeflächen ist einzig und allein die Firma Gewista zuständig – die Wiener Linien haben auf die Auswahl der Kampagnen keinen Einfluss. Die aktuelle Plakatkampagne soll Aufmerksamkeit erlangen und schlussendlich zum Positiven aufgelöst werden. Aufgrund der aktuellen Situation bitten wir die Firma Gewista, mit dem Werbepartner eine raschere Aufklärung herbeizuführen», teilten die Wiener Linien am Montag mit.