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Montag
07.01.2019

TV / Radio

Letzte «nachtwach» am 25. Dezember 2018

Unter dem Thema «Wir Nachtmenschen» begrüsste Barbara Bürer (63) am 25. Dezember zur «allerletzten Sendung», wie die Journalistin in der Anmoderation sagte, und forderte ihr Publikum auf, dieses Mal umgekehrt ihr Fragen zu stellen.

Über 3000 Geschichten aus dem Leben der «nachtwach»-Sendung sind in den letzten zwölf Jahren diskutiert worden. Nun hat das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) die Talk-Sendung angeblich aus Spargründen eingestellt, denn eine Ausgabe kostet nur etwa 10’000 Franken.

«Ich finde es schade, dass man eine solche Sendung, die aus meiner Sicht Service public in seiner Reinform ist, streicht. Hier erzählten Menschen direkt aus ihrem Leben, freiwillig, ungefiltert und nicht kuratiert», sagte Bürer in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom Samstag. «Jeder, der wollte, konnte eine Stimme werden. Diese Unmittelbarkeit gibt es sonst nicht auf SRF.»

Als SRF die Absetzung der Sendung vor Monaten bekannt machte, wurde dagegen eine Onlinepetition gestartet, der sich um die 260 Personen anschlossen. Auf die Frage, ob die «Nachtwache» eben doch ein Nischenprodukt sei, meinte Barbara Bürer: «Ja klar waren wir ein Nischenprodukt. Wir fielen in den Medien nicht gross auf, generierten keine Skandale. Es war eine kleine, feine Sendung spät am Abend, die ihr Publikum gefunden hat.»

Sie habe in zwölf Jahren «einen tiefen Einblick in die Psyche der Schweiz erhalten», so der «Tages-Anzeiger». «Wie geht es ihr?»: «Ich kann nicht sagen, wie es den Schweizerinnen und Schweizern geht. Ich kann nur sagen, dass jene, denen es schlecht geht, in der Öffentlichkeit wenig zu Wort kommen. Letztlich geht es immer um Liebe, Beziehungen, Tod, Ängste, Schmerz, Arbeit, Arbeitslosigkeit.»

Die «nachtwach» verabschiedete sich leise und ohne grosses Aufsehen. Weshalb sie nicht wie Kurt Aeschbacher feierte, dessen Sendung «Aeschbacher» auch eingestellt wurde und der mit einer ganzen Samstagabendshow Adieu sagte? «Kurt Aeschbacher hat das auch verdient. Er war vierzig Jahre auf Sendung. Für mich stimmte dieser stille Abschied. Es war ein Dankeschön für die Anrufenden. Sie standen im Zentrum. Deshalb hiess die Sendung ja auch nicht ´Bürer`. Es ging um die Menschen da draussen – auf sie sollte das Scheinwerferlicht fallen.»