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Dienstag
06.04.2021

Medien / Publizistik

«CJs» sind «citizen jounalists», die alle Gräueltaten mutig dokumentieren und an die Öffentlichkeit bringen wollen... (Bild: NYT)

Das Militär in Myanmar nimmt die Medien ins Visier. Laut einem Bericht der «New York Times» haben die Sicherheitskräfte bis zum Osterwochenende mindestens 56 Reporter festgenommen. Online-Nachrichtendienste sind verboten, die Kommunikation weitgehend lahmgelegt, indem mobile Dienste abgeschaltet wurden.

Gleichzeitig geht das Militär mit gnadenloser Brutalität gegen Andersdenkende vor. Das hat im ehemaligen Birma jetzt eine neue Gattung von Medienschaffenden hervorgebracht.

Angesichts des Drucks gegenüber professionellen Journalisten haben sich viele junge Menschen ins Getümmel der Demonstrationen gewagt. Sie bezeichnen sich als «Bürgerjournalisten». Inzwischen gibt es so viele davon, dass für diese freien oder vielleicht treffender freiheitsliebenden «Medienschaffenden» die neue Abkürzung «CJs» erfunden wurde. Diese bedeutet im Original «citizen jounalists».

Die «CJs» riskieren sogar ihr Leben, um die Brutalität des Militärs zu dokumentieren. Sie machen Fotos und Videos mit ihren Handys und teilen sie online – wenn sie dann einmal Zugang erhalten.

Das offensichtliche Ziel des Regimes ist es, die Zeit zurückzudrehen in eine Epoche, als das Militär das Land regierte, die Medien in fester Hand waren und nur die reichsten Menschen Zugang zu Mobiltelefonen und dem Internet hatten. Aber die neue Generation junger Menschen in Myanmar, die mit dem Internet aufgewachsen ist, will seine Freiheiten nicht kampflos aufgeben.

Das Militär behindert die professionellen Journalisten immer mehr, «also braucht unser Land mehr CJs», lässt sich Ma Thuzar Myat, einer der Bürgerjournalisten, in der «New York Times» zitieren. Und er fügt an: «Ich weiss, dass ich irgendwann getötet werden könnte, weil ich eine Videoaufzeichnung von dem, was passiert, aufgenommen habe. Aber ich werde nicht zurücktreten.»