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Donnerstag
23.11.2017

Medien / Publizistik

Auch die BZ hat keinen Bock auf Monitoring

Nach ihren Kollegen von der «Tribune de Genève» verzichteten auch die Redaktionsmitglieder der «Berner Zeitung» (BZ) auf eine Teilnahme am Qualitätsmonitoring des Medienhauses. Der Zeitpunkt für eine Diskussion sei unpassend, heisst es in einem Brief der BZ an Verleger Pietro Supino.

Die Redaktion der «Berner Zeitung» protestiert gegen die neue Organisation von Tamedia, wie die NZZ am Mittwoch schreibt: So boykottierten bis auf wenige Ausnahmen beinahe alle Mitarbeiter der Tageszeitung das für Mittwoch angesetzte Qualitätsmonitoring mit VR-Präsident Pietro Supino und Ex-«Tagi»-Chefredaktor Res Strehle.

Die Gründe dafür fasste die Redaktion in einem Brief an Pietro Supino zusammen, den die Personalkommission dem Verleger am Mittwoch persönlich überreichte. Darin steht: «Wir halten den Zeitpunkt für eine Diskussion zu diesem Thema für unpassend. Es gibt nach wie vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht definitiv wissen, wie ihre Aufgabe ab Januar aussieht, wo ihr Arbeitsort sein wird und wie sich die Umstellungen auf ihre Arbeit auswirken werden.»

Zwar sei man gerne für einen solchen Anlass bereit, jedoch erst im Frühjahr, wenn die neue Ausgangslage für alle klarer sein werde, heisst es im Schreiben, das dem Klein Report vorliegt. «Wir verstehen das Fernbleiben aber auch als Protestaktion. Die Redaktion der `Berner Zeitung` fühlt sich im Prozess Tamedia 2020 weder ernst- noch wahrgenommen», so der Inhalt des Briefs.

Die BZ-Belegschaft sei bereits im Juni mit einer Einladung zum Dialog an Pietro Supino herangetreten, um ihm ihre Ansichten, Ideen und Sorgen zum Journalismus der Zukunft und zum Berner Medienplatz darzulegen. Dieser habe die Belegschaft daraufhin auf einen Termin im September anlässlich des Qualitätsmonitorings vertröstet.

«Dieser fiel dann ohne Vorankündigung aus und soll nun einen guten Monat, bevor die Tamedia-Mantelredaktion operativ tätig wird, nachgeholt werden. Unsere Vorschläge und, ja, auch unsere Bedenken, konnten wir leider nicht deponieren», schreiben die Redaktionsmitglieder dazu.

Diese Bedenken umfassen gemäss dem Schreiben unter anderem die Sorge vor einem «möglichen Schritt hin zur Einheitszeitung in Bern in nicht allzu ferner Zukunft». «Wir fürchten uns vor einem schleichenden Abbau, wenn wir hören, dass vor wenigen Tagen vier Kollegen aus dem Telefonverkauf Bern entlassen wurden», heisst es im Brief weiter.

Eine Neuansetzung des Qualitätsmonitoring mit der Redaktion der BZ wird es - anders als im Falle der «Tribune de Genève» - aber trotzdem nicht geben, sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer dem Klein Report. Denn das Gespräch über das Qualitätsmonitoring der «Berner Zeitung» habe trotz dem Fehlen der «Mehrheit der Redaktion» mit der Chefredaktion und einzelnen Mitarbeitenden stattgefunden.

Bei diesen «einzelnen Mitarbeitenden» handelte es sich gemäss Informationen des Klein Reports hauptsächlich um Mitglieder der zur BZ gehörenden Regionaltitel. Von der «Berner Zeitung» tauchte nur ein Redaktionsmitglied beim Monitoring auf. Die entsprechende Person hatte aufgrund einer Ferienabsenz das interne Info-Mail für die Redaktion nicht gelesen.