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Donnerstag
29.10.2020

Medien / Publizistik

2019 mussten die 16 Gemeinden und die Stadt Bern, die hinter dem «Anzeiger» stehen, ein Minus von 2,35 Millionen Franken begleichen.

Der Tamedia-Verlag wie auch der Verlag des «Berner Bärs» wären interessiert gewesen, bei dem schwer defizitären «Anzeiger der Region Bern» einzusteigen. Ohne Erfolg. Auch 2021 sollen voraussichtlich die Steuerzahler weiterhin für die Defizite einspringen müssen.

Am Freitag haben sich die Vertreter der beteiligten Gemeinden virtuell getroffen, um über die Zukunft des «Anzeigers der Region Bern» zu entscheiden. Der Entscheid sei schon im Vornherein «so gut wie gefällt» gewesen, schrieb die «Berner Zeitung» (BZ) am Donnerstag. 

Demnach soll der aktuelle Geschäftsführer Christof Ramseier den «Anzeiger» weiterführen, und zwar von einer neuen Firma aus. Und die beteiligten Gemeinden, die im Verband Anzeiger Region Bern (ARB) den «Anzeiger der Region Bern» herausgeben, sollen für 2021 einen «pauschalen Defizitdeckungsbeitrag von einer Million Franken» garantieren, schreibt die Tamedia-Zeitung unter Berufung auf Interna.

Einstmals ein Goldesel für die Gemeinden, schlitterte der «Anzeiger der Region Bern» in den letzten Jahren in die roten Zahlen. Seither decken Steuergelder die Defizite. 2019 waren das 2,35 Millionen Franken, 2020 sollen es 1,64 Millionen sein.

Kritische Gemeindevertreter stören sich offenbar seit Längerem daran, dass der Geschäftsführer jährlich bessere Ergebnisse versprochen hatte, die dann aber nicht eintrafen, wie die BZ unter Berufung auf Protokolle weiter schreibt.

Als im Juni das deftige Defizit fürs Jahr 2019 den ARB-Gemeinden präsentiert wurde, trat Beat Messerli, der den Verband präsidierte, zurück. 

Und auch die Aussichten sind alles andere als rosig, nicht nur wegen der Inseratekrise. Weil im Kanton Bern wohl ab 2022 die Amtsanzeigen auch nur noch digital publiziert werden dürfen, werden grosse Gemeinden wie Bern oder Köniz aus dem Verband aussteigen.

Schliesslich machten mehrere Interessenten Angebote, beim «Anzeiger der Region Bern» einzusteigen. Darunter die IMS Sport AG aus Köniz, die neben dem «Berner Bär» verschieden Sportmagazine wie das Hockey-Magazin «Slapshot» oder das Fussball-Heft «Foot» herausgibt.

Der Verlag hätte den Gemeinden garantiert, für keine Defizite mehr einspringen zu müssen. Weil eine freihändige Vergabe rechtlich nicht möglich sei, prüfte der Gemeindeverband diese Offerte nicht einmal.

Der Klein Report hat Erwin Gross, «Berner Bär»-Verleger und Inhaber der IMS Sport AG, um eine Stellungnahme gebeten. Gross will sich zurzeit jedoch nicht zu der Angelegenheit äussern. 

Auch der Tamedia-Verlag interessierte sich für den «Anzeiger», auch er blitzte beim Gemeindeverband ab.

Gemäss «Berner Zeitung» hat der Verband anderes vor: Das ARB-Management soll alle «Randnutzungen» zu einem symbolischen Preis herauskaufen. Und Ramseiers künftige neue Firma soll dem verbleibenden Anzeigerverband die Print-Produktion des «Anzeigers der Region Bern» im Jahr 2021 anbieten. Der Entscheid sei so gut wie sicher.

Dies für eine garantierte Defizit-Deckung von einer Million Franken.