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Freitag
04.09.2020

TV / Radio

Bundespräsident Alexander Van der Bellen überreicht André Heller den Award im legendären Café Hawelka...(Bild: Amadeus Award)

Der Wiener Multimedia-Künstler André Heller ist mit dem Amadeus Award für sein Lebenswerk geehrt worden. Die Jubiläumsausgabe der 20. Austrian Music Awards hat ohne Publikum stattgefunden und wird am 10. September auf ORF eins ausgestrahlt.

Moderiert wird die Sendung vom Travestie-Star Conchita Wurst. Die goldene Trophäe wurde Heller von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei einem gemeinsamen Besuch im Café Hawelka überreicht.

Der 73-jährige André Heller stammt aus einer jüdischen Familie von Süsswarenfabrikanten. Diese wurde für ihre Erfindung der Dragées weltbekannt. Sohn André wurde 1967 ebenfalls bekannt als Mitgründern des ersten deutschsprachigen Popsenders Ö3. Dort moderierte er die «Musicbox». Später wurde er Co-Autor der Fernsehsendung «Wünsch Dir was» mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach.

Heller pflegte über 15 Jahre hinweg seinen Ruf als Schlagersänger, Chansonnier und Liedermacher. Ein Hit war «Catherine» von 1970, mit einem Text vom noch unbekannten Reinhard Mey. Ein Duett mit Wolfgang Ambros für eine Bob-Dylan-Coverversion «Für immer jung» gilt heute als ein Klassiker des Austro-Pop.

1976 gründete Heller zusammen mit Bernhard Paul den Zirkus Roncalli. Die beiden Alpha-Tiere konnten aber nicht gut miteinander und Heller stieg noch im Gründungsjahr wieder aus. Auch ein Versuch, 1977 die Stadt München für eine «Weltausstellung der Fantasie» zu gewinnen, musste scheitern.

Dafür durfte er als Kulturkoordinator für die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wirken. Er gestaltete im Jahr 2000 die Finalpräsentation für die bundesdeutsche Bewerbung. Heller ist der Erfinder des Fussball-WM-Mottos «Die Welt zu Gast bei Freunden».

Seine Eröffnungsgala im Olympiastadion Berlin, an der auch Brian Eno und Peter Gabriel beteiligt waren, wurde hingegen durch die Fifa abgesagt. Sepp Blatter fürchtete um den Rasen.

Auch in der Welt des Kinos hat man ihn sehen können, zum Beispiel in der Verfilmung der «Geschichten aus dem Wienerwald» nach Ödön von Horváth von Maximilian Schell. Nur Eingeweihte vom Klein Report wissen, dass Heller dort einmal einen ganzen Drehtag platzen liess. Inzwischen ein Star, ist André Heller erst um 10 Uhr morgens frisch fröhlich auf dem Set erschienen. Zu spät für Kameramann Klaus König. Dieser hat bereits morgens um fünf Uhr darauf gewartet, mit Heller bei Sonnenaufgang eine Szene im Sonnenuntergang simulieren zu können.

André Heller wohnt heute in Wien und frönt weiterhin seinen Fantasien in Marrakesch.