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Samstag
24.04.2021

TV / Radio

Da war die Webseite noch auf dem Netz: 53 Starmimen haben sich über die Corona-Massnahmen lustig gemacht. Ihre Ironie ist nicht von allen verstanden worden... (© Bild sreenshot DPA)

War es Langeweile, echtes Engagement, Entzug der Profilierungsmöglichkeiten, pure Verzweiflung oder der Mangel an einem Drehbuch, das ihnen im Normalfall das eigene Denken abnimmt?

53 Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland haben sich in Ironie versucht. Ihre Vorstellung wurde zum Internethit auf der Webseite allesdichtmachen.de. Die Kritiken sind zum Teil vernichtend. Aber die AfD applaudierte begeistert.

Mit der Aktion #allesdichtmachen sorgten ein halbes Hundert namhafte Film- und Fernsehschauspieler für Aufsehen.Stars wie die «Tatort»-Gesichter JanJosef Liefers, Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring, Ulrich Tukur oder auch die «Babylon»-Stars Volker Bruch und Meret Becker veröffentlichten ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Coronapolitik.

Auf die Schippe genommen wurde die deutsche Bundesregierung. Überspitzt wurden deren Massnahmen mit sarkastischen Videobotschaften ins Lächerliche gezogen. Unter den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer hat sich der Klamauk auf Twitter innert Stunden rekordschnell verbreitet.

Ironie off: Für die Aktion gab es viel Lob aus der rechten Ecke. Noch mehr hagelte es aber Kritik aus den eigenen Reihen. Nora Tschirner, Christian Ulmen und Elyas M'Barek kritisieren die Aktion scharf. Unter dem Twitter-Hashtag #allesschlichtmachen und #nichtganzdicht starteten sie eine Gegenaktion.

Auch Satire-Guru Jan Böhmermann hat auf die Aktion völlig humorlos reagiert und ein Video aus einer Intensivstation auf Twitter gestellt.

Von ihrem Publikum werden die Star-Mimen in einem Shitstorm inzwischen als «rechtsradikal» beschimpft, als Verschwörungstheoretiker verunglimpft und sogar mit Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen. Würden sie an Corona erkranken, solle man ihnen die Behandlung verweigern.

Der nordrhein-westfälische SPD-Politiker und WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin fordert sogar Konsequenzen für die beteiligten Schauspieler: «Jan Josef Liefers und Tukur verdienen sehr viel Geld bei der ARD, sind deren Aushängeschilder. Auch in der Pandemie durften sie ihrer Arbeit zum Beispiel für den ,Tatort‘ unter bestem Schutz nachgehen. Durch ihre undifferenzierte Kritik an ,den Medien‘ und demokratisch legitimierten Entscheidungen von Parlament und Regierung leisten sie denen Vorschub, die gerade auch den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne den Garaus machen wollen. Sie haben sich daher als deren Repräsentanten unmöglich gemacht.»

Die Satiriker haben inzwischen reagiert: Jan Josef Liefers sah sich am Donnerstagabend zu einer Klarstellung genötigt, in der er sich ausdrücklich von Querdenkern und Reichsbürgern distanzierte. «Ich setze mich kritisch mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid 19 auseinander», schrieb er in einem Tweet.

Heike Makatsch löschte ihren Beitrag. Auf Instagram schrieb sie: «Ich distanziere mich klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien.» Sie erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgehe, und wolle niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen kleinreden.

Die Webseite allesdichtmachen.de ist am Freitag wieder dicht gemacht worden. Auf Youtube können die Videos aber nach wie vor abgerufen werden, sogar in einem Sammelordner von über einer Stunde Video.