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Mittwoch
28.1.2015

IT / Telekom / Druck

Ringier-CEO Marc Walder hat sich mit der Initiative «Digital Zurich 2025» ins Gespräch gebracht. Die Initiative soll nicht nur die Grossregion Zürich als attraktiven Standort für digitale Start-ups, Unternehmen und Talente positionieren, sondern auch Ringier selbst bei der digitalen Transformation helfen.

Der Klein Report fragte bei Marc Walder nach, was Ringier zur Initiative beitragen wird und was das Medienunternehmen vom Projekt erwartet. Die Initiative wirkt etwas utopisch, die Antworten fielen entsprechend vage aus. Unklar ist beispielsweise, welche Rolle der Ringier-CEO selbst nach der grossartigen Ankündigung beim Projekt noch einnehmen wird.

«Marc Walder hat die Initiative angeschoben. Es ist ihm ein grosses Anliegen, den Standort Zürich als digitalen Cluster zu stärken», teilte Ringier-Pressesprecher Edi Estermann am Dienstag dem Klein Report stellvertretend für Walder mit. Das klingt fast so, als ob der Ringier-CEO allein über die Macht verfügen würde, den Standort Zürich attraktiver zu machen.

Die Leitung der Initiative will der Ringier-CEO dann aber doch nicht selbst übernehmen, sondern an eine externe Stelle delegieren. «Die Initiative wird ein Projektbüro brauchen», sagte Estermann. «Geplant wäre, dass dies vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman geleitet würde. Dies, weil Oliver Wyman bereits für New York und den damaligen Bürgermeister Bloomberg eine ähnliche Initiative durchführte.»

Konkreter wurden die Aussagen auch bei der Frage nach der Motivation, die Walder zu dieser Initiative bewogen hat, nicht. «Ringier ist in 15 Ländern tätig, der Hauptsitz ist aber immer noch in Zürich», so Estermann. «Darüber hinaus hat die Medienindustrie weltweit erfahren, wie schnell der digitale Wandel vonstattengeht und wie wichtig Kompetenz und Expertise in dieser Transformation sind.»

Estermann verneinte aber, dass der digitale Cluster vor allem auf Kommunikationstechnologien ausgelegt sein soll. «Auch im Silicon Valley ist das Spektrum und die Breite an Industrien enorm gross: Kommunikation, Finanzdienstleistung, Hardware, Software, Versicherung, E-Commerce usw. Auch die Initiative `Digital Zurich 2025` soll breit abgestützt sein», sagte er.

Allerdings hält sich Ringier zurück, wenn es darum geht, andere Unternehmen - insbesondere Medienhäuser - an Bord zu holen. «Alle Unternehmen sind willkommen, an dieser wichtigen Sache mitzuarbeiten. Die jetzt kommunizierten Unternehmen bilden die Basis für diese Initiative, die einen langfristigen Horizont hat», meinte Estermann. Gespräche mit anderen Unternehmen - wie etwa Tamedia - hätten bisher nicht stattgefunden.

Stattdessen will Ringier zusammen mit der Swiss, der UBS oder mit der SBB kooperieren, um den digitalen Transformationsprozess anzutreiben. «Die Herausforderungen der Digitalisierung und die damit verbundenen Fragestellungen sind für alle Unternehmen ähnlich», so Estermann.

Kurzfristig wird die Initiative wohl noch keine Wirkung zeigen, der Zeitrahmen wurde mit zehn Jahren weit abgesteckt. «Die Umsetzung einer solchen Initiative braucht Zeit. Cluster bilden sich nicht über Nacht und nicht aufgrund einer Idee am runden Tisch», sagte Estermann. Die Ankündigung der Initiative liess sich Walder zwar nicht nehmen, doch in den nächsten zehn Jahren muss jemand anderes dafür sorgen, dass die Vision des Ringier-CEO Realität wird.