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Donnerstag
13.02.2020

Medien / Publizistik

Maria Brehmer: «Es ist einfach oftmals so, dass Frauen ein beliebtes Sujet sind, um sich über sie auf sexualisierte und chauvinistische Art lustig zu machen.»

Kurz vor dem Start der Fasnacht erregt ein sexistischer Fauxpas die Gemüter in Solothurn. Die Fasnachtszeitung «11 minuten» wurde zurückgezogen wegen einer anstössigen Fotomontage mit Maria Brehmer, Journalistin und Kolumnistin bei der «Solothurner Zeitung».

«Wassermelonen zum Selberpflücken», «Marias Kochtipp: Pouletbrüstchen mit Weisswein», «Gespritzter Weisser vom Chefredaktor» ist auf dem umstrittenen Beitrag zu lesen.

Daneben ein Foto der badenden und Weisswein trinkenden Maria Brehmer, das die Social-Media-Verantwortliche der «Solothurner Zeitung» von sich gleich selbst auf Instagram gepostet hatte. Brehmer unterhält in dem Blatt eine Kolumne zu Liebe und Sex. Auf Höhe der Brüste sind zwei Plastikentchen ins Foto reinmontiert.

Überschrieben ist das Ganze mit «Die ‚11 minuten‘-Redaktion auf der Suche nach dem passenden Bild-Tittel». 

Nachdem das Gratisblatt am Samstag in den Läden aufgelegt worden war, empörte sich Maria Brehmer auf Facebook über die Montage: «Sitzen ein paar Männer zusammen und suchen Pointen für ihre Fasnachts-Zeitung. A: ‚Komm, machen wir uns über Brüste lustig!‘, B: ‚Au ja, und kleben wir ein paar Enten drauf!‘, C: ‚... und benutzen Wörter wie blasen, spritzen, Muschi und Melonen!‘» 

Andere User sprachen von einer «krassen Grenzüberschreitung» oder fanden den bemühten Humor «einfach nur peinlich». Wieder andere meinten dagegen, eine Kolumnistin, die sich mit einem Badefoto auf Instagram exponiere, müsse auch etwas aushalten können.

Nach dem kleinen Sturm auf Facebook und einem zaghaften Entschuldigungs-Mail der «11 minuten»-Redaktion beschwerte sich Maria Brehmer direkt bei Vize-Stadtpräsident Pascal Walter, der ebenfalls in der «11 minuten»-Redaktion sitzt. Dann ging es plötzlich ganz hurtig: Alle ausliegenden Exemplare der Fasnachtszeitung wurden wieder eingesammelt.

Man habe sich «im Tonfall vergriffen», sagte ein Redaktionsmitglied daraufhin gegenüber der «Solothurner Zeitung». Eine überarbeitete Version inklusive Entschuldigung würde nun gedruckt und bald neu ausgelegt.

«Mich trifft die Sache weniger persönlich», sagte Maria Brehmer in der Zeitung, für die sie selber arbeitet. «Es ist einfach oftmals so, dass Frauen ein beliebtes Sujet sind, um sich über sie auf sexualisierte und chauvinistische Art lustig zu machen.» Das sei weder närrisch, noch satirisch, sagt die Kolumnistin.