Der Fall um den entlassenen Nationaltrainer Patrick Fischer entwickelt sich zunehmend zu einer Medienaffäre – und wirft neue Fragen zur Rolle von Swiss Ice Hockey, von SRF und der Verbandskommunikation auf.
An der kurzfristig einberufenen virtuellen Medienkonferenz in Glattbrugg stellte sich Verbandspräsident Urs Kessler den Fragen der Journalisten.
Moderiert wurde der Call von Monika Reinhard, Director Digital Transformation & Strategic Communication und Mitglied der Geschäftsleitung.
Dabei wurde deutlich: Der Ursprung der Affäre liegt nicht bei der aktuellen Berichterstattung, sondern bei einem vertraulichen Gespräch Mitte März 2026. Wie Kessler bestätigte, war der Medienchef des Verbands, Finn Sulzer, an einem Mittagessen anwesend, bei dem Fischer gegenüber einem SRF-Redaktor die Verwendung eines gefälschten Covid-Zertifikats bei den Olympischen Spielen 2022 erwähnte.
Der betreffende Journalist war Pascal Schmitz, der im Rahmen der Produktion eines Dokumentarfilms über Fischer von der Information erfuhr. Brisant: Schmitz ist nicht nur SRF-Redaktor, sondern auch Stadionspeaker der Rapperswil Jona Lakers – eine Doppelrolle, die dem Fall zusätzliche medienpolitische Würze verleiht.
Offen bleibt vor allem die Frage, wie mit der vertraulichen Information umgegangen wurde. Mehrfach wurde Kessler darauf angesprochen, seit wann Sulzer von der Angelegenheit wusste und weshalb keine Massnahmen ergriffen wurden, um die Information im vertraulichen Rahmen zu halten. Der Präsident verwies wiederholt auf eine laufende externe Untersuchung.
Mit der Aufarbeitung beauftragt wurde die Zürcher Wirtschaftskanzlei Niederer Kraft Frey. Diese auch den internen Umgang mit der Information sowie die Kommunikationsprozesse im Verband untersuchen.
Verbandspräsident Kessler bestätigte zudem, dass er selbst erst am Montagmittag durch Sulzer und Sportdirektor Lars Weibel über den Fall informiert worden sei – obwohl die Information aus dem März stammt. Diese zeitliche Diskrepanz dürfte ein zentraler Punkt der Untersuchung werden.
Auch die Rolle von SRF bleibt heikel. Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen für die Zusammenarbeit erklärte Kessler, SRF sei «seit Jahrzehnten ein Partner» des Verbands. Gleichzeitig machte er klar, dass vor Abschluss der Untersuchung keine Schlüsse gezogen würden.
Kommunikativ setzte der Verband derweil auf eine strikte «One-Voice-Strategie». Spieler und Funktionäre erhielten vorerst keine Interviewfreigaben, einzig der Präsident sprach öffentlich. Reinhard verteidigte dieses Vorgehen mit der ausserordentlichen Lage und der bevorstehenden Heim-WM, die Mitte Mai in Zürich und Fribourg beginnt.
Eine kuriose Randnotiz lieferte die Medienkonferenz ebenfalls: Reinhard sprach zwischenzeitlich von «Urs Fischer» statt von Patrick Fischer – eine Verwechslung mit dem bekannten Fussballtrainer, die im angespannten Umfeld für einen seltenen Moment der Auflockerung sorgte.
Doch die zentralen Fragen bleiben: Wer wusste wann was – und weshalb blieb eine potenziell explosive Information über Wochen unbeachtet? Die Antwort darauf soll nun die externe Untersuchung liefern. Bis dahin bleibt der Fall Fischer vor allem eines: eine traurige Geschichte, in der es nur Verlierer gibt – und die das öffentliche Dilemma und die politischen Diskussionen während der Pandemie wieder schmerzhaft in Erinnerung rufen.




