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Donnerstag
16.04.2026

TV / Radio

Etwas oberlehrerhaft: SRF-Smalltalk-Rechercheur Pascal Schmitz... (Bild: Screenshot)

Etwas oberlehrerhaft: SRF-Smalltalk-Rechercheur Pascal Schmitz... (Bild: Screenshot)

Die slowakische Kleinstadt Topoľčany ist kaum der Mittelpunkt der Sportwelt. Doch rund 100 Kilometer von Bratislava entfernt spielte sich am Mittwoch Bemerkenswertes ab. 

Am Morgen leitete der Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer noch das Training der Schweizer Nationalmannschaft; am Abend stand an seiner Stelle bereits der vormalige Assistent Jan Cadieux.

Dazwischen war Fischer entlassen und Cadieux, der das Amt ohnehin nach der Heim-WM im Mai übernommen hätte, befördert worden.

Grund: Fischers gefälschtes Covid-Zertifikat, mit dem der Zuger 2022 an die Olympischen Winterspiele in Peking gereist war.

Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt – und Fischer machte sich mit diesem Betrug letztlich untragbar. Doch der «Fall Fischer» ist auch ein «Fall SRF». Wie am Rande der Geschichte publik wurde, machte Fischer die Aussagen zu seinem gefälschten Covid-Zertifikat im Rahmen einer Smalltalk-Runde bei einem Nachtessen mit zwei SRF-Mitarbeitern sowie dem Medienchef des Verbands.

Entgegen den journalistischen Gepflogenheiten, wonach Aussagen nur dann für den öffentlichen Gebrauch bestimmt sind, wenn sie im Rahmen eines offiziellen Gesprächs geführt werden, stellte sich SRF-Redaktor Pascal Schmitz auf den Standpunkt, dass die Geschichte von übergeordnetem Interesse sei – und deshalb an die Öffentlichkeit müsse.

Journalistisch ist dieses Vorgehen legitim. Doch der Fall zeigt auch, wie schmal der Grat zwischen konsequenter Recherche und Vertrauensbruch ist. Gerade im Schweizer Sportjournalismus, der traditionell von Nähe zwischen Verbänden, Athleten und Medien geprägt ist, gilt ein gewisses Mass an Transparenz und Offenheit als ungeschriebenes Gesetz. Wenn ein Journalist diese informelle Vertrauensbasis verlässt, bewegt er sich zwar rechtlich auf sicherem Boden – riskiert aber, dass künftig weniger offen gesprochen wird.

Jeder, der sich im Journalismus auskennt, weiss, dass man sich hier in einem Graubereich befindet. Sucht ein Journalist die grossen Schlagzeilen und die Selbstprofilierung, geht er in die Offensive und lässt den leutseligen Protagonisten ins Leere laufen. Rechtlich ist daran nichts auszusetzen. Schliesslich belegte der von SRF eingeforderte Strafbefehl das Vergehen Fischers. Kommt hinzu, dass Patrick Fischer kaum so naiv gewesen sein kann, einem Journalisten eine skandalträchtige Geschichte brühwarm aufzutischen – im Glauben, dass diese nie publik wird.

Ironie des Schicksals: Im Zuge des Abstimmungskampfs zur Begrenzungs-Initiative, die der SRG die Gebühren kürzen wollte, liess sich Fischer vor den öffentlich-rechtlichen Karren spannen. Dass ausgerechnet SRF nun zur treibenden Kraft seiner Demission wurde, verleiht der Geschichte eine zusätzliche medienpolitische Dimension.

So oder so bleibt ein schaler Beigeschmack. Vor allem, wenn man den Auftritt von SRF-Redaktor Pascal Schmitz in «10 vor 10» vom Mittwoch anschaut. Dort spielt sich der Journalist auf, als wäre er eine Mischung aus Oberlehrer und Richter. Unter anderem sagt er: «Soll man Fischers Aussage einfach wieder vergessen oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen?» Und das habe er und seine Kolleginnen getan. Dann sei eine «klassische journalistische Recherche» gefolgt. Schmitz: «Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Luzern den Strafbefehl eingefordert und überwiegendes öffentliches Interesse geltend gemacht.» Auf dieser Grundlage sei Fischer mit den Fakten konfrontiert und die Geschichte ins Rollen gebracht worden.

Falsch ist die Arbeitsweise des SRF-Journalisten nicht. Ob sie aber auch dem Prinzip von Anstand, Offenheit und Transparenz entspricht, ist eine andere Frage. Fest steht: Auf dem Eishockeyfeld käme diese Hinterrücks-Mentalität nicht gut an. Pascal Schmitz müsste beim nächsten Einsatz mit einem harten Check rechnen – und würde wohl ein paar blaue Flecken davontragen.