Auch ein Jahr nach der abrupten Freistellung von Chefredaktorin Annelena Müller ist beim Berner «Pfarrblatt» noch so manches in Bewegung.
Laut Recherchen des Klein Reports soll der neue Präsident der «Pfarrblatt»-Gemeinschaft Bern, Dyami Häfliger, versucht haben, dem Thuner Weber-Verlag einen Auftrag des «Pfarrblatts» im Wert von knapp 200‘000 Franken jährlich zuzuspielen. Der Jurist Häfliger ist Geschäftsleiter des Weber-Verlags. Der Vorstand vergab den Auftrag schliesslich anderweitig.
Laut Dyami Häfliger hat der Vorstand der «Parrblatt»-Gemeinschaft bereits Anfang 2025 beschlossen, den Druckauftrag neu auszuschreiben. Dabei seien Offerten der Vogt-Schild Druck AG und der Merkur Medien AG eingegangen, sagt Häfliger auf Nachfrage des Klein Reports.
Damals sei auch er von der damaligen Präsidentin Blanca Burri eingeladen worden, mit dem Weber Verlag eine Offerte einzureichen. «Über meine Rolle beim Weber Verlag war der Vorstand seit meiner Wahl jederzeit transparent informiert. Für den Fall einer Mandatsvergabe an den Weber Verlag war vorgesehen, dass ich aus dem Vorstand zurücktrete», so der Verlagsleiter und «Pfarrblatt»-Präsident weiter gegenüber dem Klein Report.
Nach dem kurzfristigen Rücktritt der Präsidentin Blanca Burri wählte die Delegiertenversammlung im Mai 2025 Dyami Häfliger zum neuen Präsidenten. Darauf hin hat gemäss Häfliger der Vorstand die Situation nochmals neu beurteilt. «Gemeinsam kamen wir zum Schluss, dass eine Mandatsvergabe an ein Unternehmen, in dem der Präsident tätig ist, nicht mit den eigenen Governance-Grundsätzen vereinbar ist.»
Der Zuschlag ging an Merkur Medien AG, wobei der Entscheid laut Häfliger «einstimmig» fiel. Gemäss Recherchen des Klein Reports dagegen fiel der Entscheid knapp.
Auch die Wahl der neuen Chefredaktion sorgte bei einigen Lesern für Stirnrunzeln. Seit der Freistellung von Chefredaktorin Annalena Müller Ende Mai 2025 hatte Dyami Häfliger als Vereinspräsident des «Pfarrblatt» auch die Geschäftsleitung ad interim inne. Im April 2026 hat der Vorstand dann Elisabeth Zschiedrich und Aurel Jörg als Doppelspitze der Chefredaktion eingesetzt.
Gemäss Recherchen des Klein Reports leben beide nicht im Kanton Bern und sind beide in der kirchlichen Medienszene bislang kaum bekannt.
Darauf angesprochen, wie die Wahl der Redaktionsspitze zustande gekommen ist, sagte Häfliger: «Elisabeth Zschiedrich und Aurel Jörg wurden aufgrund ihrer fachlichen Qualifikationen, ihrer journalistischen Erfahrung sowie ihrer Kenntnis kirchlicher und gesellschaftlicher Themen ausgewählt.»
Elisabeth Zschiedrich sei bereits vor ihrer Ernennung längere Zeit für das «pfarrblatt» als freie Mitarbeiterin und seit August 2025 als festangestellte Redaktorin tätig gewesen.
Und Aurel Jörg sei vor seiner Wahl in die Redaktionsleitung bereits seit August 2025 als Redaktor angestellt.
Im Impressum des «Pfarrblatts» ist derzeit nicht ausgewiesen, wer als Vizepräsident der «pfarrblatt»-Gemeinschaft Bern fungiert. Laut Recherchen des Klein Reports handelt es sich um Karl-Marin Wyss, Chef der Gesamtkirchgemeinde Bern und damit dem wichtigsten Geldgeber des «Pfarrblatts».
«Ja, das kann ich bestätigen», so Häfliger zum Klein Report. Karl-Marin Wyss sei als Vizepräsident im Geschäftsbericht ausgewiesen. Im August werde sich der Vorstand neu konstituieren. Dies, nachdem am 10. Mai drei Vorstandsmitglieder neu gewählt worden sind.



