Content:

Mittwoch
25.02.2026

Medien / Publizistik

Journalistin Manuela Moser bezichtigt Gemeindepräsident Ernst der Lüge... (Bild: zVg / © Goldküste24)

Journalistin Manuela Moser bezichtigt Gemeindepräsident Ernst der Lüge... (Bild: zVg / © Goldküste24)

Am Wahlpodium in Küsnacht im Festsaal des Hotels Sonne ist der Schlagabtausch um das Gemeindepräsidium abrupt eskaliert.

Auslöser war eine Intervention der Journalistin Manuela Moser, die den amtierenden Gemeindepräsidenten Markus Ernst öffentlich als «Lügner» bezeichnete.

Moser, ehemalige Chefredaktorin des «Küsnachter», warf Ernst vor, im Zusammenhang mit ihrer Entlassung durch den Verlag bewusst falsche Aussagen gemacht zu haben. Sie untermauerte den Vorwurf mit dem Verlesen von E-Mails vor Publikum. Ernst wies die Anschuldigungen zurück.

Der Eklat ereignete sich im Rahmen des Podiums zur Gemeinderats- und Präsidiumswahl, an dem Ernst auf seinen Herausforderer Hans-Peter Amrein traf.

Moderiert wurde das Streitgespräch vom früheren NZZ-Redaktor Andreas Schürer. Inhaltlich prallten dabei zwei Führungsverständnisse aufeinander: Amrein kritisierte Machtkonzentration, mangelnden Dialog und Defizite bei Transparenz und Kommunikation. Ernst hielt dagegen, Führung bedeute, Mehrheiten zu organisieren und Projekte korrekt durch demokratische Verfahren zu führen. Und dann zündete Moser die kommunikative Handgranate.

Auf Nachfrage des Klein Reports führte Manuela Moser am Tag danach aus: «Es geht mir nicht um das Aufwärmen einer alten Geschichte oder einen persönlichen Rachefeldzug gegen Markus Ernst, sondern als Journalistin um die Wahrheit und die Wählbarkeit eines Kandidaten, in diesem Fall von Markus Ernst».

Mit Erstaunen habe sie erstmals in aller Öffentlichkeit miterleben können, wie Markus Ernst sich zu ihrer Entlassung von vor über einem Jahr geäussert und offenbar seine Rolle darin komplett ausgeblendet habe.

Moser weiter zum Klein Report: «Ernst sagte, ich sei beim Submissionsgespräch mit meinem damaligen Verlag kein Thema gewesen, und er habe mit meiner Entlassung nichts zu tun gehabt. Das stimmt einfach nicht. Sein Gespräch damals im Rahmen der Submission drehte sich um mich und meine Personalie - der schlagende Beweis ist ein Mail des Verlags mit der vernichtenden Kritik Ernsts mir gegenüber.»

Und dann stellt Moser eine rhetorische Frage: «Ist ein Kandidat, der dermassen lügt, tatsächlich wählbar?» Die Antwort liefert sie dem Klein Report gleich selber: «Ich zweifele an Ernsts Wählbarkeit».

Nach Mosers Wortmeldung erhielt die Kritik zusätzliche Schärfe. Elisa Catanho, Präsidentin der SP Küsnacht, erhob einen ähnlichen Vorwurf: Der Gemeindepräsident nehme Einfluss auf Inhalte des «Küsnachter Bote», wie der Klein Report berichtete. Ernst zeigte vordergründig Verständnis für frühere Unstimmigkeiten, betonte aber, künftig transparenter kommunizieren zu wollen – insbesondere bei Stellungnahmen vor der Publikation.

So oder so machte das Podium deutlich, wie tief die Gräben im Seedorf sind – und wie weit die Meinungen über Kommunikation und Medienfreiheit auseinandergehen. Oder mit anderen Worten: In Küsnacht geht es nicht nur um Personen, sondern um die Art, wie Macht ausgeübt – und wie kritisch darüber berichtet werden darf.

Die Entscheidung fällt am 8. März an der Urne.