Das trifft die Szene mitten ins Herz: Das Zürich Openair (ZOA), eines der grossen Highlights im Schweizer Festivalsommer, findet 2026 nicht statt.
Die Organisatoren sprechen von einer «kreativen Pause». Offiziell begründet wird der Entscheid mit Terminverschiebungen internationaler Festivals Ende August. Inoffiziell stellt sich die Frage: Hat sich das ZOA übernommen?
Die Verschiebungen hätten die Planung massiv erschwert, heisst es. Unsichere Bookings, wackelige Kalkulationen, fehlende Planungssicherheit. Ein Festival «in gewohnt hoher Qualität» sei unter diesen Umständen nicht möglich gewesen. Statt ein abgespecktes Line-up zu präsentieren, zieht das OK die Reissleine.
Der Entscheid klingt nachvollziehbar – hinterlässt bei Fans aber einen schalen Beigeschmack. Andere Festivals stehen vor ähnlichen Herausforderungen und liefern dennoch. War das Risiko für das ZOA schlicht zu gross? Oder ist der Konkurrenzdruck im dicht gedrängten Festivalkalender zu stark geworden?
Hinter dem Zürich Openair steht massgeblich Gründer und Festival-Macher Rolf Ronner, das Gesicht und die treibende Kraft des Anlasses. Umso stärker richtet sich der Blick nun auf ihn. Ist die Pause Ausdruck strategischen Weitblicks – oder ein stilles Eingeständnis, dass die Anforderungen an ein Grossfestival nochmals gestiegen sind?
Noch 2025 lockte das ZOA 87’000 Besucherinnen und Besucher nach Glattbrugg. Auf den Bühnen standen internationale Namen wie Post Malone, Nina Chuba oder Shawn Mendes, dazu Schweizer Fixsterne wie Patent Ochsner. Das ZOA war etabliert – musikalisch breit, kommerziell erfolgreich, publikumsstark.
Gerade deshalb wiegt das Loch im Sommer 2026 schwer. Kein grosses Bühnenbeben, kein kollektives Mitsingen bis spät in die Nacht, kein ZOA-Soundtrack für den Zürcher Spätsommer.
Die Auszeit soll genutzt werden, um das Konzept zu schärfen, die Infrastruktur weiterzudenken und das Erlebnis neu zu inszenieren: mehr Profil, mehr Überraschung, mehr Identität.
2027 will das Zürich Openair an den angestammten Standort zurückkehren – stärker, moderner, unverwechselbarer.
Doch eine Pause erhöht auch den Druck. Nach einem Jahr Komplettstillstand wird die Messlatte höher liegen als zuvor. Ganz ohne Beats bleibt Zürich dennoch nicht. Mit ZOA City 2026 wird die Dolder Kunsteisbahn erneut zur Sommer-Location über den Dächern der Stadt. Ein feines Format – aber kein Ersatz für die grossen Bühnen und die kollektive Wucht von Glattbrugg.
2026 wird zum Prüfjahr. Es wird zeigen, ob die «kreative Pause» ein kluger Schachzug war – oder ein erstes Warnsignal für ein Festivalgeschäft, das zunehmend unter Druck steht.




