Der Zentralschweizer Radiopionier Tino Arnold ist 82-jährig am Freitag an seinem Wohnort Weggis gestorben. Er war von 1960 bis 1990 für Schweizer Radio DRS tätig. Tino Arnold war der Erfinder der Regionaljournale, die seit November 1978 täglich auf DRS 1 ausgestrahlt werden.
Der damalige «Blick»-Reporter Seppi Ritler hat mit dem gebürtigen Urner öfters die Klingen gekreuzt. Er erinnert sich: «Wir erlebten beide in der Innerschweiz für ein nationales Medium die Pionierzeit. Er fürs Radio und ich für den `Blick`. Tino Arnold war es ein grosses Anliegen, die spannenden und aktuellen Geschichten der Innerschweiz ins Land hinauszutragen. Mehrmals wurden seine Vorschläge von den Redaktionen nicht berücksichtigt. Darum setzte er sich vehement für die Gründung der Regionaljournale ein und war hell begeistert, als diese im Jahre 1978 eingeführt wurden.»
Tino Arnold war früher Mittelschullehrer des Gymnasiums in Altdorf. Er hatte ein Flair für das Dramatische, schrieb später auch Hörfolgen und führte Regie bei Hörspielen. Im Studio Basel fing er als Reporter, News-Redaktor und Moderator an. Im Jahre 1964 wurde Arnold als Programmbetreuer für die Zentralschweiz eingesetzt. Das hellhörige Studio war im Parterre des Luzerner Verkehrshauses neben der Toilette. Seppi Ritler schmunzelt: «Als ich ihn einmal besuchte, bat er mich, für zehn Minuten niemanden in die Toilette zu lassen. Auf meinen fragenden Blick erklärte er mit Schalk in den Augen: `Ich habe jetzt eine Sendung und will nicht, dass man die Wasserspülung in der ganzen Schweiz hört.`»
Seine Sendungen waren beliebt. Seine sonore, einfühlsame Stimme unvergesslich. 1986 wurde Arnold für sein Wirken mit dem Innerschweizerischen Radio- und Fernsehpreis ausgezeichnet.
Neugierig war er bis zuletzt. Seppi Ritler: «Als wir Presseleute vor einem Jahr das umgebaute Verkehrshaus besichtigten, musste sich Tino Arnold auf Krücken stützen. Er war hell begeistert über die Neuerungen im Museum und strahlte übers ganze Gesicht. Wir verlieren mit Tino Arnold nicht nur einen hervorragenden Kollegen, sondern auch einen guten Freund.»
Der TV-Moderator und Radioreporter Kurt Zurfluh hat 20 Jahre lang mit Arnold zusammengearbeitet. Im Regionaljournal vom Samstag würdigte Zurfluh seinen früheren Chef: «Ja Tino, viele Jahre sind wir durch Dick und Dünn gegangen. Nie gab es ein böses Wort. Du hast nicht den Chef im Regionalstudio markiert. Für mich warst du ein väterlicher Freund. Und genau das Einfühlsame kam auch bei anderen Redaktorinnen und Redaktoren zum Tragen. Du hast uns mit deiner reichen Erfahrung begleitet - immer mit einem guten Rat, mit viel Geist, Witz und Charme. Du warst ein wunderbarer Mensch.»
Sonntag
22.08.2010




