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Dienstag
14.04.2026

Medien / Publizistik

Wasser predigen und Wein trinken: Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer...    (Bild: SRF-Screensh.)

Wasser predigen und Wein trinken: Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer... (Bild: SRF-Screensh.)

Der Schweizer Eishockeyverband will am Nationaltrainer festhalten. Doch aus medialer Sicht ist der Schaden längst angerichtet – und kaum reparierbar: Patrick Fischer hat seine Glaubwürdigkeit verspielt. Eine Analyse für den Klein Report von Journalist und Eishockeyexperte Thomas Renggli.

Sechs Wochen vor der Heim-WM explodiert eine Geschichte, die das Schweizer Eishockey eigentlich nicht brauchen kann: Nationaltrainer Patrick Fischer reiste 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die olympischen Winterspiele nach Peking.

Der Verband bestätigte in einer Mitteilung am Montagabend, dass dies «ohne Wissen der Swiss Ice Hockey Federation sowie von Swiss Olympic» geschah. Fischer wurde 2023 als Privatperson verurteilt. Bekannt wurde die Affäre durch eine Recherche des Schweizer Fernsehens (SRF).

Fischer selbst spricht von einer «aussergewöhnlichen persönlichen Notlage». Er habe sich nicht impfen lassen wollen, gleichzeitig aber sein Team «auf keinen Fall im Stich lassen» wollen. Heute sei ihm bewusst, dass er «einen schweren Fehler gemacht» habe, für den er «die volle Verantwortung» übernehme.

Verbandspräsident Urs Kessler stellt sich demonstrativ hinter seinen Nationaltrainer. Es sei «anerkennenswert, dass Patrick Fischer diesen Schritt an die Öffentlichkeit geht und seinen Fehler klar einräumt. Dies zeigt persönliche Verantwortung und Grösse», erklärt er. Für den Verband sei die Angelegenheit damit abgeschlossen.

Doch genau hier beginnt das Problem. Medial ist die Affäre keineswegs abgeschlossen – im Gegenteil. Der Zeitpunkt, wenige Wochen vor der Heim-WM in Zürich und Freiburg, verstärkt den Effekt zusätzlich. Aus einer privaten Verfehlung wird ein öffentlicher Glaubwürdigkeitsfall.

Der «Tages-Anzeiger» bringt es auf den Punkt: «Patrick Fischer hat seine Glaubwürdigkeit verspielt. Der Nationaltrainer, der stets Konsequenz predigte und Spieler bei mangelnder Identifikation aussortierte, handelte selbst inkonsequent.»

Während er vom Team totale Hingabe forderte, umging er die Regeln – und gefährdete damit sogar die Olympiamission.

Aus medialer Sicht wiegt weniger der Fehler selbst schwer als die Diskrepanz zwischen Anspruch und Verhalten. Fischer predigte Wasser – und trank Wein. Er führte nicht nur die Verbandsführung hinters Licht, sondern gefährdete auch das Umfeld, das Team und den Verband.

Gerade als Nationaltrainer ist Glaubwürdigkeit das wichtigste Kapital. Wer Leadership verkörpert, muss vorleben, was er verlangt. Fischer tat das in diesem Fall nicht – und verliert damit einen Teil seiner Autorität.

Der Verband agiert momentan noch nach dem Prinzip: Augen zu – und durch. Das ist problematisch aus kommunikativer Perspektive. Denn die Affäre wird die Heim-WM begleiten. Jede Niederlage, jede Entscheidung, jede Medienkonferenz wird unter diesem Vorzeichen stehen.

Die Lösung liegt eigentlich auf der Hand: Der designierte Nachfolger Jan Cadieux übernimmt früher als geplant. Der Übergang wäre ohnehin vorgesehen – und würde dem Team erlauben, unbelastet in die Heim-WM zu gehen.

Patrick Fischer hat grosse Verdienste um das Schweizer Eishockey. Doch gerade deshalb wäre ein Rücktritt vor der Heim-WM kein Eingeständnis von Schwäche – sondern ein letzter Akt von Führungsstärke.

Denn eines ist klar: Sportlich mag Fischer noch tragbar sein. Medial ist er es kaum mehr.