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Freitag
20.02.2026

TV / Radio

Im «heute journal» vom 15. Februar wurde der Beitrag gezeigt, der von Dunja Hayali (l.) anmoderiert worden ist ... (Bild: Screenshot/ZDF)

Im «heute journal» vom 15. Februar wurde der Beitrag gezeigt, der von Dunja Hayali (l.) anmoderiert worden ist ... (Bild: Screenshot/ZDF)

Auch die Aufarbeitung von journalistischen Fehlern braucht Fingerspitzengefühl: Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) haut voll daneben bei der Aufarbeitung des misslungenen TV-Beitrages im «heute journal» vom vergangenen Sonntagabend.

Die New York-Korrespondentin kann per sofort gehen.

Der Filmbeitrag handelte von Abschiebungen von Minderjährigen durch die ICE-Behörde in den USA, wie der Klein Report berichtet hat. In dem Beitrag war eine Sequenz zu sehen, bei der Kinder sich an ihre Mutter klammern. Diese war durch Sora generiert worden und das sogenannte KI-Wasserzeichen war sichtbar. Alarmstufe rot auf jeder Redaktion.

Dummerweise hat aber die Anchor-Moderatorin Dunja Hayali erstens in der Anmoderation selber noch auf die Gefahr gefälschter KI-Videos im Zusammenhang mit der ICE-Behörde im Netz gewarnt und zweitens ganz offensichtlich den Beitrag selber vorab nicht angeschaut - oder aber die offenkundige KI-Sequenz nicht erkannt.

Und auch die redaktionelle Abnahme des Beitrages von leitenden Redaktionsmitgliedern hat offenbar beim ZDF niemanden stutzig gemacht.

Eine weitere Sequenz, «in der ein Kind abgeführt wird, ist zwar real, stammt aber aus einem anderen Kontext aus dem Jahr 2022», schrieb das ZDF selber am 17. Februar über den zweiten groben Schnitzer in dem «ICE»-Beitrag vom 15. Februar.

Danach folgte etwas viel Mea culpa: «Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen…» Das erklärte Anne Gellinek, stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität am Dienstag nach der Ausstrahlung. Der Beitrag sei von allen Plattformen entfernt und korrigierend berichtet worden.

Am Freitag teilte der öffentlich-rechtliche Sender nun mit: «Das ZDF hatte angekündigt, die Fehler im ‚heute journal‘ vom Sonntagabend konsequent aufzuarbeiten.»

Und was folgte? Die Überprüfung sei zu dem Schluss gekommen, «dass die Verstösse gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards so schwer wiegen, dass die New York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen wird».

Die Korrespondentin habe für das «Mittagsmagazin» vom 13. Februar und das «heute journal» über die Angst von Kindern unter anderem in New York vor den Festnahmen der amerikanischen ICE-Behörde berichtet. Der Bericht in der Mittagssendung sei nicht zu beanstanden, wurde aber von der Korrespondentin für den Sonntagabend angepasst.

«In der neuen Fassung verwendete sie zwei Videoszenen aus dem Netz. Davon stammte eine Szene aus einem völlig anderen Kontext (Festnahme in Florida 2022), die andere Szene war KI-generiert», schreibt das ZDF dazu.

Der Schlussredaktion des «heute journals» hätte bei der Abnahme des Beitrags die KI-generierte Bildsequenz auffallen müssen, gibt das ZDF am Freitag selber zu.

«Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist gross. Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung. Wir erarbeiten zurzeit einen Massnahmenkatalog, um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden», lässt sich ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten zitieren.

Der Klein Report fragt sich, ob das schon der Abschluss der konsequenten Aufarbeitung ist?