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Donnerstag
08.01.2026

Medien / Publizistik

Verteidigungsminister Martin Pfister (r.) sprach unter anderem über die Informations- und Cybersicherheit und die aktuellen Risiken für die Schweiz... (Bild: Dreikönigstagung 2026/Klein Report)

Verteidigungsminister Martin Pfister (r.) sprach unter anderem über die Informations- und Cybersicherheit und die aktuellen Risiken für die Schweiz... (Bild: Dreikönigstagung 2026/Klein Report)

Bundesrat Martin Pfister wandte sich an der Dreikönigstagung an die «geschätzten Medienschaffenden» in seiner Begrüssung am Donnerstag im Zürcher Aura.

Von den 240 Gästen waren aber nur etwa zwei Dutzend Journalisten vor Ort, der Rest waren Funktionäre, Verbandsleute und Politikerinnen.

Der Verteidigungsminister bekundete als erstes seine Anteilnahme an die Opfer von Crans-Montana, die Angehörigen und die Familien. «Dieses Ereignis hat uns alle erschüttert», sagte der Mitte-Politiker auf der Bühne. Das ganze Land sei tief betroffen und habe grosse Solidarität gezeigt.

Bei solchen Ereignissen sei das Informations- und Einordnungsbedürfnis der Bevölkerung gross, so Pfister. «Zu wissen, was geschehen ist, ist zentral für die kollektive Verarbeitung einer Katastrophe und für die Trauer von uns allen als Gesellschaft.»

Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sprach zum Thema «Die Sicherheit der Schweiz und die Rolle der Medien». Pfister, der seit April 2025 Bundesrat ist, musste sich bereits intensiv mit der Informations- und Cybersicherheit auseinandersetzen.

«In diesen Momenten des Unfassbaren und Unvorstellbaren sind Sie als Medienschaffende und Verlage besonders gefordert», sagte er. «Ihre Berichterstattung prägt die öffentliche Wahrnehmung der Ereignisse massgeblich. Sie informieren, ordnen ein, kritisieren; objektiv, sachlich und nach journalisitischen Standards. Ich danke Ihnen für Ihr verantwortungsvolle Berichterstattung.»

Unter anderem zu dieser und anderen Aussagen des Bundesrates sagte ein langjähriger erfolgreicher TV-Manager zum Klein Report, dass dies seit langem wieder einmal ein Politiker an der Dreikönigstagung gewesen ist, der den Wert der Medien schätze.

Für den Klein Report bedeutet die Brandkatastrophe von Crans-Montana eine Zeitenwende für die Schweiz. Die internationalen Medien haben am 1. Januar 2026 vom ersten Moment an ihre für die Demokratie so wichtige Professionalität an den Tag gelegt.

Die SRG kam wie immer mit zeitlicher Verzögerung ins Thema. 20 Minuten, das seit Anfang Jahr nur noch online berichtet, war wenige Stunden nach dem Brandinferno live im Ticker nah am Geschehen, und Redaktorin Carolin Teufelberger gab später in einer Live-Schalte auf Englisch Auskunft über die Horrorszenen bei CNN.

Pfister erwähnte in seiner Rede, dass die Stärke einer Gesellschaft in anspruchsvollen Zeiten auch eine Frage der Qualität des öffentlichen Diskurses sei. Dafür trage die Politik eine Verantwortung, aber auch die Medien in besonderer Weise.

Wenn man über Sicherheit spreche, gehe es nicht in erster Linie um Leben oder Tod, um das Beherrschen von Territorien oder um die Verschiebung von Grenzen, um Macht und Herrschaft. «So argumentieren Anzettler von Kriegen, so rechtfertigen sich Vertreter autoritärer Regime», sagte Bundesrat Martin Pfister.

«Natürlich schützen wir mit unseren Bemühungen auch die Souveränität unseres Landes und die Unversehrtheit seiner Bevölkerung. Aber wenn wir in einem demokratischen Staat über Sicherheit und Verteidigung sprechen, dann meinen wir immer zuerst den Schutz unserer demokratischen Rechte und Freiheiten, der Selbstbestimmung, der persönlichen Integrität und unseren Wohlstand, der die Grundlage vieler Freiheiten ist.»

Aus dieser Sicht seien Medien wohl der beste Indikator für das Mass demokratischer Sicherheit eines Landes. «Man könnte zugespitzt sagen, wenn es um die Medien in einem Land gut bestellt ist, ist es auch um die Demokratie und um die Sicherheit eines Landes gut bestellt.»

Pfister ging auf die Sicherheitslage in Europa und im Umfeld der Schweiz ein, die instabiler, unübersichtlicher und unberechenbarer geworden sei.

«Wie etwa die militärische Kommandoaktion der USA in Venezuela zeigt, zerfällt auch die internationale Rechtsordung, wofür sich die Schweiz in besonderer Weise verantwortlich fühlt», sagte er. Dies sei für die Schweiz, aber auch für Europa ein Problem, weil die Schweiz in der langen Periode der Nachkriegszeit umfassend davon profitiert habe.

Das sei nicht nur eine militärische Frage und damit keine ausschliesslich sicherheitspolitische Diskussion. Ein starkes Europa mit einer solidarischen Schweiz sei deshalb auch ein sicherheitspolitisches Gebot.

In seiner Funktion als Verteidigungsminister sprach er dann zur Sicherheitspolitik und zur Informationskriegsführung. Mit Russlands militärischer Aggression gegen die Ukraine sei der Krieg zurück in Europa. «Dieser Krieg, der nun schon bald vier Jahre dauert, hat die Sicherheitsordnung des Kontinents nachhaltig erschüttert.»

Die Nato bleibe in Europa auch in Zukunft unverzichtbar, aber die USA gäben schon länger klar zu erkennen, dass europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik künftig von den europäischen Ländern getragen werden muss.

Europa habe nicht nur einen grossen militärischen Nachholbedarf. Viele Gesellschaften seien politisch stark polarisiert, was die Entschlossenheit schwäche. Ein schwaches, politisch gespaltenes Europa kann allein für sich schon ein Kriegsziel sein, so der Minister.

Die Art, wie Konflikte ausgetragen würden, wandelte sich. Zwar blieben Panzer und Artillerie bestehen, wie man in der Ukraine sehe, aber dazu kommt die Technologie des 21. Jahrhunderts wie Drohnen und Roboter.

«Hybride Konfliktführung wie Cyberangriffe, Beeinflussungsaktivitäten, Desinformation, Spionage, oder wirtschaftliche Druckausübung begleiten die klassische Kriegsführung effektiv oder bereiten weitergehende miltärische Aktionen vor», so Pfister über die moderne Kriegsführung.

Der Informationsraum spiele bei diesen hybriden Konfliktformen eine wichtige Rolle. «Denn wer den Informationsraum eines Landes destabilisiert, schwächt die Sicherheit», sagte Pfister.

Die Schweiz, als Teil der westlichen Wertegemeinschaft, sei indirekt Ziel von Beeinflussungsaktivitäten, die allgemein auf westliche Staaten abziele, aber auch zunehmend direkt auf die Schweiz.

Die Urheber von Beeinflussungsaktivitäten wollten die Wahrnehmung, das Denken und das Handeln von Personen und Gesellschaften manipulieren.

Dazu gehörten Desinformation, Propaganda und grenzüberschreitende Repression, die darauf abzielen, Schweizer Institutionen als dysfunktional darzustellen.

Seit 2022 greife Russland die Schweiz zunehmend im Informationsraum an. «Die zwei bekanntesten russischen Plattformen Russia Today und Pravda verbreiten zwischen 800 bis 900 Artikel pro Monat in der Schweiz, die häufig als Desinformation bezeichnet werden müssen», erklärte Martin Pfister.

Es gebe aber auch subtilere Formen, beispielsweise Netzwerke aus Social-Media-Konten auf Plattformen wie Telegram und X, die keine erkennbare Verbindung zu Russland aufwiesen.

Er nannte ein Beispiel vom Mai letzten Jahres. Da verbreiteten pro-russische Akteure koordiniert auf sieben Social-Media-Plattformen und in allen Amtssprachen und auf Englisch ein aus dem Kontext gerissenes Video aus Genf. Dieses zeigte, dass die Schweiz vermeintlich im Chaos versinke und nicht mehr neutral sei. Diese Posts wurden innert kurzer Zeit über 2 Millionen Mal angeschaut.

Es sei zentral, dass Versuche von Einflussnahme und Desinformation aufgedeckt und transparent gemacht werden. Die Cybersicherheit sei deshalb zu einer Aufgabe der öffentlichen Hand geworden.