Neues vom malerischen Greifensee und der mittlerweile weltberühmten Dorfzeitung «Maurmer Post».
Dort tobt der Wahlkampf wie im Wilden Westen – und die gemeindeeigene Zeitung mischt kräftig mit.
Die politischen Fakten vorneweg: Am 8. März 2026 wählt die Zürcher Gemeinde Maur einen neuen Gemeinderat. Für sieben Sitze stellen sich acht Kandidierende zur Verfügung.
Offiziell sollen die Bürgerinnen und Bürger dabei neutral und ausgewogen informiert werden. Offiziell. Denn die Realität sieht anders aus: Die «Maurmer Post», herausgegeben von der Gemeinde, veröffentlicht drei Wochen vor der Wahl zahlreiche Zuschriften mit offenkundiger Wahlwerbung – und das entgegen der eigenen Richtlinien.
Das klare Verbot in Artikel 7.3 der Redaktionsrichtlinien «Keine parteipolitisch motivierten Zuschriften, keine Wahlempfehlungen» wird ignoriert.
Besonders auffällig: Am Regiepult sitzen FDP-Gemeindepräsident Yves Keller und sein Parteikollege Urs Freudiger, Präsident der Kommission «Maurmer Post».
Parteilos kandidierende Bewerber wie Rob Labruyère oder Thomas Renggli, ehemaliger Chefredaktor der «Maurmer Post» finden keine Erwähnung.
Speziell ist die Rolle von Chefredaktorin Anne-Friederika Heinrich. Sie fordert die Parteien aktiv auf, ihre Empfehlungen einzusenden, und veröffentlicht diese willfährig.
Die Redaktion wird damit selber zum Instrument politischer Einflussnahme. Oder mit anderen Worten: Die eigenen Richtlinien werden selektiv angewendet – offenbar je nach politischer Agenda.
Ein Offener Brief prangert nun diese Missstände an. Peter Leutenegger, Präsident der unabhängigen und selbstfinanzierten «Maurmer Zeitung», reagiert mit einem offenen Brief an Urs Freudiger. Leuenegger schreibt: Die Richtlinien der «Maurmer Post» verlangen eine neutrale und ausgewogene Berichterstattung, insbesondere in Wahlzeiten. Die Ausgabe vom 13. Februar 2026 verstösst dagegen in gleich mehrfacher Hinsicht, so Leutenegger.
Die parteilosen Kandidaten werden nicht angefragt, der Publikationsstopp wird missachtet oder die Kommission überwache die Regeln nicht, sind nur einige Punkte.
Leutenegger fordert, dass die nicht berücksichtigten Kandidaten in der nächsten Ausgabe die Möglichkeit erhalten, ihre Standpunkte darzustellen – und dass die Antwort öffentlich gemacht wird.
Maur zeigt einmal mehr, wie fragil die Strukturen kommunaler Medien sein können. Wenn politische Akteure ihre Positionen über die gemeindeeigene Zeitung platzieren und die Redaktion dies ohne Widerstand umsetzt, entsteht logischerweise ein Ungleichgewicht im Wahlkampf.
Unabhängige Medien sind deshalb entscheidend, um solche Missstände sichtbar zu machen und das Gleichgewicht an Informationen in der Bevölkerung zu sichern.
Die Ereignisse am Greifensee zeigen: Auch in kleinen Gemeinden kann politische Einflussnahme subtil, aber wirksam sein – und die Rolle der Chefredaktion wird dabei zum Scharnier zwischen demokratischen Spielregeln und parteipolitischem Kalkül.




