Die Gegner des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben der Berner Ausgabe von «20 Minuten» eine Propagandaseite beigelegt. Layout und Textstil lassen den Leser leicht an eine redaktionelle Beilage glauben. Die Verfasser der Beilage schreiben explizit im Namen der Redaktion: «Die 20 Minuten-Redaktion unterstützt die Kampagne gegen das WEF. Denn wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Heraus zur Demo gegen das WEF!», heisst es auf der Seite, die am Freitag in die Gratiszeitung geschmuggelt wurde.
Wenig Verständnis für die Anti-WEF-Seite zeigte Andreas Szilagyi, der betroffene Verkaufsleiter von «20 Minuten» in Bern. «Es ist skandalös, dass sich diese WEF-Gegner auf die Meinung der Redaktion stützen.» Denn die Gratiszeitung habe mit der Beilage absolut nichts zu tun. Wie viele Exemplare mit der Propagandaseite versehen wurden, sei schwierig abzuschätzen. «Wahrscheinlich ist die Anzahl aber gering», hält Szilagyi fest. Man werde nun aber über mögliche Massnahmen diskutieren - auch in Absprache mit der Hauptredaktion in Zürich. Szilagyi schliesst nicht aus, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden. Auch dafür, wie die Seite in die Gratiszeitung gekommen ist, hat Szilagyi eine Erklärung. Sie sei wohl frühmorgens von Hand in die Zeitungen geschmuggelt worden, die in Boxen aufliegen. «Ich glaube aber, die Leserinnen und Leser merken schnell, dass die Beilage nicht den redaktionellen Richtlinien entspricht: Die Schrift und die Spaltenbreite sind anders als in der übrigen Ausgabe.»
«20 Minuten» ist laut dem Verkaufsleiter nicht zum ersten Mal von einer unautorisierten Kampagne betroffen: Bei den Wahlen im vergangenen Jahr habe eine Partei die Titelseiten von rund 15 000 Berner Exemplaren mit Werbung in eigener Sache überdeckt. Sie habe der Zeitung schliesslich den Werbewert bezahlen müssen.
Freitag
14.01.2005