Zeitlich perfekt abgestimmt auf die Eröffnung des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) im Glarnerland spielt die Allianz Pro Medienvielfalt in ihrem politischen Kampf die vermeintliche Trumpfkarte Schwingen.
Am Mittwoch hat sie ein in den Sozialen Medien ein Kampagnenvideo veröffentlicht, das so richtig urchig daherkommt. Während im Hintergrund Jodelgesang ertönt, stellt eine Stimme im breitesten Berndeutsch die Mehrgenerationenfamilie Rüeggsegger vor, die gemeinsam auf einem mit Schweizer Fahne behängten Sofa sitzt und sich ein Schwingfest anschaut.
Da beginnt die Stimme aus dem Off zu warnen: «Sport verbindet die Menschen in der Schweiz. Sport ist das Lagerfeuer der Nation.»
Und dann ist plötzlich Schluss mit Jodelgesang, der Bildschirm wird plötzlich schwarz. Stattdessen poppt eine Botschaft auf dem Fernsehgerät auf: «Ohne SRG kein Schwingfest in deiner Stube.»
Und der Sprecher beendet sein Gschichtli über die Emmentaler Vorzeigefamilie mit dem markigen Worten: «Rüeggsegger möchten nicht, dass der Sport bei einem Pay-TV-Sender verschwindet.»
Nicht überall in den Sozialen Medien kommt das dramatisierende Kampagnenvideo gut an. Insbesondere der Schauplatz im traditionell schwingverrückten Kanton Bern scheint schlecht gewählt.
Hinter der Allianz Pro Medienvielfalt steht under anderem der Polit- und PR-Berater Mark Balsiger, der seit Wochen die Medien mit etwas martialischen Sujets flutet, unter anderem mit einem Axt-Sujet. «Wer Medien halbiert, mach sie kaputt» heisst die Schlagzeile und eine Axt donnert auf einen TV-Bildschirm runter und entzweit diesen.
Zurück nach Bern: In Schangnau und anderswo im Emmental kann man sich noch sehr gut daran erinnern, wie arrogant sich einst das Schweizer Fernsehen (SRF) gegenüber den Schwingfans verhalten hat. Anno 1998 zog das SRF beim ESAF-Schlussgang gleich selbst den Stecker.
Ein TV-Sportfan bringt es in seinem Kommentar auf X auf den Punkt: «Rüegseggers aus Schangnau erinnern sich gut daran, wie das war, als das ESAF in Bern stattfand: SRF übertrug das Fest, schaltete aber kurz vor dem Schlussgang auf Formel 1 um. Rüegseggers reagierten prompt und schalteten ebenfalls um... auf Tele Bärn, das den Schlussgang zeigte.»