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Freitag
31.12.2004

Ein vom Verlag Walter de Gruyter in Berlin herausgegebenes «Variantenwörterbuch des Deutschen» verschafft regionalen Besonderheiten von Substantiven zu ihrer Anerkennung. Darin werden insgesamt 12 000 Wörter und Wendungen komplett und gleichberechtigt behandelt. Wie die Basler Universität am Donnerstag mitteilte, gebe es bislang kein vergleichbares Werk: Das Wörterbuch basiert auf der Auswertung umfangreicher Textsammlungen aus Ländern, in denen Deutsch nationale oder regionale Amtssprache ist, so in Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein sowie Ostbelgien, Luxemburg und Südtirol. So kommt es, dass das «Variantenwörterbuch» endlich erklärt, wo ein Metzger ein Metzger und wo er ein Fleischhacker, ein Schlachter oder ein Fleischer ist.

Das Wörterbuch will nach Meinung der Basler Uni eine Neubewertung der
Standardsprache anstreben. Deshalb sei es von grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung nicht nur für die deutsche Lexikografie, sondern für die Sprachwissenschaft insgesamt. Bis vor kurzem galt die deutsche Standardsprache als genormte, einheitliche Sprache, im Gegensatz zu Mundarten mit kaum regionalen Prägungen. Teils erhebliche Abweichungen etwa an den Südrändern des Sprachgebiets zum norddeutschen Gebiet waren zwar bekannt, wurden aber eher als Fehler denn als gleichwertige Varianten betrachtet. Die neuere sprachwissenschaftliche Forschung hat die Idee einer streng einheitlichen Standardsprache ohne Regionalismen laut Unials Fiktion erkannt. Im Vergleich zu Mundarten ist die Variation in der Standardsprache deutlich kleiner. Dem «Variantenwörterbuch des Deutschen» liegt diese plurizentrische Konzeption des Deutschen zugrunde. Das «Variantenwörterbuch des Deutschen» ist im Verlag Walter de Gruyter erschienen und kostet gebunden 109 Franken (ISBN 3-11-016575-9), als Broschur ist es für 48 Franken erhältlich (ISBN 3-11-016574-0).